Ein warmes Wannenbad mit Kräuterdüften soll Erkältungen vertreiben. Doch vor allem die ätherischen Öle eignen sich nicht für jeden und statt freier durchatmen zu können bleibt die Luft weg. Mehr über Inhaltsstoffe, wann ein warmes Bad – ohne Kräuter – bei Erkältung sinnvoll ist und welches Hausmittel noch besser sein könnte.

Ist der Infekt im Anzug, meinen viele, ein Kräuterbad hilft, macht Nase und Bronchien wieder frei. Denn die Fertigprodukte – egal ob als medizinisches Erkältungsbad oder einfach nur als Erkältungsbad bezeichnet – enthalten bestimmte ätherischen Öle, die gegen die häufigsten Erkältungsbeschwerden wirken sollen. Die häufigsten darunter:

  • Eukalyptus
  • Pfefferminze
  • Latschenkiefer
  • Fichte
  • Thymian
  • Kampfer

Über den aufsteigenden Dampf aus dem Badewasser und zusätzlich über jede Pore sollen die Inhaltsstoffe der Kräuter aufgenommen werden, und im Körper ihre Wirkung entfalten: Schleim verflüssigen, Husten lindern und bei Gliederschmerzen guttun – damit werben jedenfalls die Hersteller.

Kann das der Arztbestätigen? „Das stimmt eher nicht“, urteilt Hans-Michael Mühlenfeld. Der Hausarzt aus Bremen ist Vorsitzender des Instituts für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband (IHF).

Erkältungsbad – zwei positive Effekte

Ein warmes Bad kann zwar durchaus

Negativer Effekt – allergische Reaktion bis hin zu Asthmaanfall

Problematisch dagegen seien die ätherischen Öle, warnt der erfahrene Hausarzt. Wissenschaftliche Belege für ihre Wirkung gibt es kaum. Fest steht jedoch, dass sie zu allergischen Reaktionen führen können und zwar innerlich und äußerlich. Das sind Atemprobleme bis zu einem allergischen Asthmaanfall, wenn der aufsteigende Dampf eingeatmet wird. Zusätzlich könnten die Inhaltsstoffe der ätherischen Öle die Haut reizen, zu Ekzemen führen.

„Bekanntlich nehmen allergisches Asthma sowie Neurodermitis zu, deshalb sollte man die Empfehlung Erkältungsbad als Hausmittel hinterfragen“, drückt Hans-Michael Mühlenfeld das vorsichtig aus. Sicherlich gibt es Menschen, die von einem Erkältungsbad profitieren, doch das sei sicher der geringere Anteil. Für die meisten sei es nicht hilfreich, im schlimmsten Fall sogar allergisierend. Ein Erkältungsbad sei also kein harmloses Hausmittel.

Ätherische Öle ohne Allergierisiko gibt es kaum

Ist jedes der in Erkältungsbädern enthaltenen ätherischen Öle in diesem Zusammenhang eine potenzielle Gefahr? „Letztendlich sind das alle“, stellt der Experte klar. Deshalb sollte man im Zweifel seinen Hausarzt befragen, ob der ihm zu einem Erkältungsbad rät oder eher abrät. Das gilt vor allem für Patienten, die Allergien haben, etwa Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis, aber auch Lebensmittelallergien.

Erkältungsbad ist für Babys und kleine Kinder tabu

Besonders gefährlich sind Bäder mit ätherischen Ölen für Kinder unter sechs Jahren. Deshalb sei man davon abgekommen. Auch Einreibungen mit Salben, die ätherische Öle enthalten, werden für Kinder nicht mehr empfohlen, das Allergierisiko ist zu hoch. „Allenfalls kann man einen Tropfen ätherisches Öl auf das Kopfkissen geben“, führt der Mediziner aus.

Baden bei Erkältung – so ist es gesünder

Allgemein kann der Hausarzt also Erkältungsbäder nicht empfehlen, Grund ist das Allergiepotenzial der ätherischen Öle. Eine Alternative wäre das reine Warmbad, also ein je nach individueller Verträglichkeit 32 bis 37 Grad warmes Voll- oder Dreiviertelbad. Die Badedauer richtet sich nach dem Wohlbefinden, sollte jedoch nicht länger als 20 Minuten betragen. Diese Variante böte die Vorteile des Wannenbads – ohne die Risiken allergische Atemprobleme und Hautreaktionen.

Doch letztendlich ist auch das warme Vollbad kein guter Rat für Menschen, die mit einem Infekt kämpfen. „Es kann den Kreislauf zusätzlich belasten und bei Fieber oder Bluthochdruck sollte man sowieso nicht baden“, warnt der Experte. Falls man unbedingt möchte, sollte jedoch jemand in der Nähe sein, falls ein Schwächeanfall eintritt.

Das bessere Hausmittel bei Infekten

Was er jedoch mit gutem Gewissen bei Erkältung und grippalen Infekten jedem empfehlen kann – vom Kleinkind bis zum Senioren mit Bluthochdruck – ist die Dampfinhalation. Sie ist wenig invasiv, lässt sich individuell durchführen und jederzeit abbrechen, wenn man sich nicht wohlfühlt, ohne noch mühsam aus der Wann steigen zu müssen. Sinnvoll sind Zusätze aus Salz. Dabei lassen sich einfaches Speisesalz, Meersalz oder medizinisches Salz zum Inhalieren (Apotheke) verwenden.

Fazit: Erkältungsbad ja, aber nur, wenn der Arzt das befürwortet. Und für Kleinkinder und Babys eignen sich diese Badezusätze sowieso nicht. Denn die ätherischen Öle können stark allergisierend wirken. Weniger riskant ist ein warmes Wannenbad ohne Zusätze, das aber trotzdem noch den Kreislauf belasten kann. Das wesentlich sicherere und harmlosere Hausmittel bei Infekten ist die Dampfinhalation mit etwas Salzzusatz.

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