Ein typisches Symptom für eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 sind Störungen beim Riechen und Schmecken. Soweit man bislang weiß, bessern sich die Beschwerden meist innerhalb von ein bis zwei Monaten. Bei einem geringen Teil der Patienten bleiben sie jedoch länger bestehen. Welche Therapieansätze gibt es?

Dass Virusinfektionen einen Riechverlust verursachen können, ist nichts Neues: Auch Schnupfen- oder Grippeviren können zu sogenannten "postviralen Riechstörungen" führen, berichtet der HNO-Experte Professor Dr. Thomas Hummel vom interdisziplinären Zentrum für Riechen und Schmecken des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden in einem Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Auch bei Covid-19 wird die Symptomatik häufig beobachtet, einige Wissenschaftler sprechen dabei sogar von einem zuverlässigen Anzeichen für eine SARS-CoV-2-Infektion.

Riechen lässt sich trainieren

Am Zentrum für Riechen und Schmecken in Dresden wird zur Therapie ein sogenanntes Riechtraining angewendet, dessen Wirksamkeit bei postviralen Riechstörungen durch verschiedene Untersuchungen belegt sei, schildert Hummel. Er erklärt, wie das konkret aussieht: "Die Patienten sollen dabei jeden Morgen und jeden Abend an vier verschiedenen Düften für jeweils 30 Sekunden riechen. Dieses Training sollten sie konsequent über mindestens vier, teilweise aber auch bis zu neun Monate, durchführen. Die Gerüche können dabei individuell gewählt werden. Wichtig ist nur, dass die Gerüche stark sind und einer der vier Düfte ein Gefühl wie ein Kribbeln, Stechen oder Kühlen auslöst." In der Praxis werden oft Rosen- oder Zitronendüfte angewendet. Ein Kühlen oder Stechen lösen zum Beispiel Menthol oder Essig aus. Generell könne die Therapie jedem Covid-19 Patienten mit Geruchs- und Geschmacksstörungen empfohlen werden. Sinnvoll ist es allerdings vor allem bei Patienten, bei denen die Beschwerden über einen längeren Zeitraum auftreten.

Die Methode sei allerdings nicht dazu geeignet, um sie im Alleingang zu Hause auszutesten. Jeder Patient mit Geruchs- und Geschmacksstörungen sollte Hummel zufolge zunächst einen HNO-Arzt oder Neurologen aufsuchen und keine eigenständige Diagnose treffen. Denn die Gründe für die Beschwerden seien vielfältig und gehörten in ärztliche Hand.

Geruchsverlust heilt oft spontan aus

Bei Covid-19 ist der Riechverlust laut Hummel meist nur vorübergehend. Nach ein bis zwei Monaten trete bei 90 bis 95 Prozent der Patienten eine spontane Besserung ein. Bei den restlichen 5 bis 10 Prozent blieben die Beschwerden jedoch länger bestehen. Generell bestehe hier aber die Tendenz, dass sich der Geruchssinn auf lange Sicht nach Monaten oder Jahren wieder regeneriert. Nur bei einem geringen Teil der Betroffenen seien die Beschwerden irreversibel, was sowohl vom Alter als auch vom Ausmaß der Schädigung abhänge.

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