Meist ist die Ursache für Penisverkrümmung die unangenehme Gewebeveränderung Induratio penis plastica (IPP). Sie ist nicht so harmlos, wie bisher gedacht, sondern kann ein Alarmzeichen für bestimmte Krebsarten sein. Auf welche Symptome Sie achten sollten, welcher Krebs droht und was IPP für den Mann deshalb bedeutet.

Bei jeder Erektion wird es deutlich sichtbar: Der Penis ist nicht gerade, sondern krumm oder kann sogar einen richtigen Knick haben. Mindestens fünf Prozent der erwachsenen Männer sind betroffen, wie die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) berichtet.

Krummer Penis kann nicht nur zu Impotenz führen

Die Dunkelziffer dürfte sogar noch viel höher liegen, wie das für alle Erkrankungen im Intimbereich der Fall ist. Sie gelten immer noch als Tabuthema und Betroffene gehen nicht zum Arzt. Ursache ist eine Entzündung, die das Gewebe verändert, medizinisch Induratio penis plastica (IPP), Peyronie-Krankheit oder Penisfibrose. Je nachdem, wie stark die Krümmung ist, wird Sex mit Penetration sogar unmöglich, Impotenz droht. Bislang galt die Krankheit deshalb zwar als sehr unangenehm, aber eher harmlos.

Penisverkrümmung erhöht Krebsrisiko

Doch IPP könnte wesentlich gefährlicher sein, als angenommen. Der „krumme Penis“ ist Warnsignal für verschiedene Krebsarten, wie vor Kurzem die US-Studie "Increased risk of cancer among men with peyronie’s disease“ zeigte, die von der American Society for Reproductive Medicine vorgestellt wurde.

Das Risiko für diese drei Krebsarten steigt

Dabei werteten die Wissenschaftler die Gesundheitsdaten von mehr als 1,6 Millionen Männern aus. Die überraschenden Ergebnisse:

Der gekrümmte Penis könnte das Risiko erhöhen, Krebs zu bekommen. Laut Studie steigert IPP das Risiko für folgende Krebsarten:

IPP und Krebs – der Zusammenhang ist noch unklar

Warum die Peyronie-Krankheit das Krebsrisiko erhöht, lässt sich bis jetzt noch nicht erklären. Die Forscher vermuten, dass ähnliche Entzündungsreaktionen für IPP und die entsprechenden Krebsarten verantwortlich sein könnten. Auch würden Vater-Sohn-Studien auf eine genetische Komponente hinweisen.

Letztendlich handelt es sich jedoch um die erste Studie, die auf einen Zusammenhang zwischen Penisverkrümmung und Krebs feststellt. Weitere Untersuchungen müssen dem nachgehen und dabei auch die Verbindung zwischen IPP und Krebs nachweisen.

Peniskrümmung immer abklären lassen

Trotzdem profitieren Männer schon von dieser ersten Studie: Jeder, der die Anzeichen einer Penisverkrümmung an sich feststellt, sollte das von einem Urologen abklären lassen. Dabei helfen für die Diagnose Fotos vom erigierten, nicht geraden Penis, die der Mann dem Arzt vorlegt.

Meist kann der Urologe dann schon die Verdachtsdiagnose IPP stellen. Das sollte dann, im Hinblick auf die neue Studie, zwei Konsequenzen haben: Nicht nur die Behandlung der Penisverkrümmung, sondern auch sorgfältige und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen auf Krebs und dabei vor allem Hoden-, Magen- und Hautkrebs.

 

IPP – mögliche Ursachen

Doch was steckt hinter der rätselhaften Krankheit IPP? Ursache an der Penisverkrümmung ist eine Entzündung, ähnlich wie bei Rheuma. Im Rahmen des Entzündungsprozesses kommt es zu Plaques und Vernarbungen in der Hülle der Schwellkörper im Penis. Die Schwellkörper können sich bei der Erektion nicht mehr gleichmäßig füllen. Daneben können auch Mikroverletzungen in der Hülle der Schwellkörper zu Vernarbungen führen, wobei sich das Gewebe verkürzt und der erigierte Penis schief oder abgeknickt erscheint.

Penisverkrümmung verläuft schubweise

Allerdings kommen diese Veränderungen nicht über Nacht. Die Krankheit verläuft in mehreren Phasen. „Anfangs, in der akuten Phase, treten typischerweise Schmerzen bei der Erektion auf, und es bildet sich eine Verkrümmung bei Erektion. Die zweite, stabile Phase ist schmerzfrei und der Deformationsprozess kommt zum Stillstand“, berichtet Michael Sohn, Chefarzt der Urologischen Klinik des Agaplesion Markus Krankenhauses in Frankfurt am Main. Doch auch nach Jahren kann ein weiterer Schub die Penisverkrümmung noch verstärken.

IPP möglichst frühzeitig behandeln und Impotenz verhindern

Rechtzeitig behandelt kann das jedoch verhindert werden und damit auch die Impotenz. Injektionen, Stoßwellen- und Strahlentherapie sind Optionen. Mechanische Verfahren wie Penile Stretcher werden momentan untersucht, ob sie die Krankheit aufhalten können.

Ist die Verkrümmung ausgeprägt, hilft in erster Linie die Operation, den Penis zu begradigen. Dabei kann der Chirurg die Schwellkörperhülle so raffen, dass sie wieder gleichmäßig ist. Dadurch besteht jedoch das Risiko, dass der Penis etwas kürzer wird. Bei besonders starker Krümmung kommt die sogenannte Grafting-Technik zum Einsatz. Michael Sohn erklärt: „Dabei wird die Plaque entfernt oder eingeschnitten, der Penis gestreckt und der so entstandene Defekt dann mit körpereigenem Gewebe oder künstlichem Material abgedeckt.“

Männer sollten also nicht zögern, schon bei den kleinsten Veränderungen am Peniszum Urologen zu gehen. Oft bilden sich bei IPP schon anfangs tastbare Knötchen am Penis. Die Penisverkrümmung lässt sich inzwischen in jedem Stadium gut behandeln. Doch die Therapie sollten Sie nicht hinauszögern, um Potenz und Lebensqualität zu erhalten. Zusätzlich sollten Sie sich vergegenwärtigen, dass die IPP auch eine Verbindung zu manchen Krebsarten haben könnte und deshalb Vorsorgeuntersuchungen besonders sinnvoll sind.

Quelle: Den ganzen Artikel lesen