Menschliche Ersatzteile aus dem Labor: Zukunft der Medizin?

Es ist eine Weltpremiere in der Medizinforschung: Erstmals ist es einem Forschungsteam gelungen, mithilfe sogenannter Organoide, also im Labor gezüchtete Mini-Organe aus Stammzellen, mehrere beschädigte menschliche Lebern zu heilen.

Forschende der University of Cambridge kurierten erstmals menschliche Lebern mithilfe von Zellen, die im Labor gezüchtet wurden. Die Organe wären ansonsten ungeeignet für Transplantationen. Der Durchbruch in der regenerativen Medizin bietet Menschen mit geschädigten Organen neue Hoffnung, da Spenderorgane selten sind und Betroffene lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich in dem renommierten Fachjournal „Science“ präsentiert.

Beschädigte Organe mit Laborzellen regenerieren

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cambridge Universität haben im Labor gezüchtete Gallengang-Organoide zur Reparatur von beschädigten menschlichen Lebern verwendet. Diese Technik wurde zum ersten Mal bei menschlichen Organen angewendet. Angesichts des chronischen Mangels an Spenderorganen bietet diese Methode dem Forschungsteam zufolge eine neue Möglichkeiten, beschädigte Organe zu reparieren. Es könne sogar eine Alternative zur Organtransplantation geschaffen werden.

Zelltherapien für Lebererkrankungen

Die Forschung ebnet den Weg für Zelltherapien zur Behandlung von chronischen Leberschäden. Auf diese Weise sollen zukünftig sowohl beschädigte Spenderlebern als auch kranke Lebern in Patientinnen und Patienten wiederhergestellt werden. So könnten einerseits Transplantationen verhindert und andererseits mehr Spenderorgane zur Verfügung gestellt werden.

Beschädigte Gallengänge als Hauptursache für Transplantationen

Die gezüchteten Organoide bildeten die Gallengänge der Leber nach, die als eine Art Abfallentsorgungssystem der Leber dienen. Nicht funktionierende Gallengänge sind laut der Studie die Ursache für ein Drittel aller Lebertransplantationen bei Erwachsenen und über zwei Drittel aller Lebertransplantationen bei Kindern. Eine alternative Behandlungsmethode als Transplantation ist derzeit nicht bekannt.

Mangelware Spenderorgane

Erwachsene Menschen, die auf eine Spenderleber angewiesen sind, müssen nach Angaben der englischen Gesundheitsbehörde NHS durchschnittlich 135 Tage auf eine Spenderleber warten, Kinder warten im Durchschnitt 73 Tage. Die langen Wartezeiten sorgen dafür, dass derzeit nur eine begrenzte Anzahl von Personen von diesen Therapien profitieren können.

Zwei neuartige Techniken führten zum Erfolg

Die Forschenden kombinierten gleich zwei neuartige Techniken, die den Erfolg erst ermöglichten. Dabei kam auch ein neuartiges „Perfusionssystem“ zum Einsatz, mit dem gespendete Organe außerhalb des Körpers über längere Zeit erhalten werden können. Dies eröffnete die Möglichkeit, gezüchtete Zellen in die geschädigten Lebern zu transplantieren, woraufhin sich diese regenerierten. Es gelang der Arbeitsgruppe sogar, Lebern zu regenerieren, die als nicht transplantationsfähig galten.

„Wir verwenden Organoide schon seit einigen Jahren, um biologische Prozesse und Krankheiten besser zu verstehen, aber wir haben immer gehofft, sie auch zur Reparatur von beschädigtem menschlichem Gewebe einsetzen zu können“, resümiert Dr. Fotios Sampaziotis vom Wellcome-MRC Cambridge Stem Cell Institute. Dies sei die erste Studie, die prinzipiell zeigt, dass dies möglich ist. (vb)

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