Hygiene-Professor Klaus-Dieter Zastrow kritisiert die Länder-Strategie bei Erstimpfungen als „tödlich falsch“. Unterdessen warnen Kinderärzte vor einer „Impfpflicht durch die Hintertür“. Alle Meldungen rund ums Impfen in Deutschland lesen Sie im Ticker von FOCUS Online.

Informationen zur Coronavirus-Impfung vom 27. Mai 2021

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"Tödlich falsch": Hygiene-Professor kritisiert Länder-Strategie bei Erstimpfungen

6.28 Uhr: Obwohl die Sommerferien anstehen und sich Reisefieber ausbreitet, wollen mehrere Bundesländer aus Impfstoffmangel weniger Erstimpfungen vornehmen. "Das ist tödlich falsch“, erklärte Hygiene-Professor Klaus-Dieter Zastrow gegenüber der "Bild"-Zeitung. "Die erste Impfung bringt in jedem Fall eine Schutzwirkung hervor. Je mehr Erstimpfungen, desto besser. Das ist ein Unding, denn es ist wichtig, dass wir so viele Leute wie möglich erreichen."

Dass die Corona-Impfstoffe hocheffektiv und -wirksam seien, habe auch eine Untersuchung am Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum gezeigt, für dessen Hygiene Zastrow seit vorigem Sommer verantwortlich zeichnet.  „Dort sind 2000 Menschen vom Personal geimpft worden. Anschließend wurden davon 500 per Zufall herausgezogen und auf Antikörper untersucht. 99,6% hatten ausreichend Antikörper gebildet, obwohl auch 77 Menschen dabei waren, die nur die Erstimpfung erhalten hatten", so Zastrow.

Es gehe darum, so viele Erkrankungen wie möglich zu unterbinden. "Wer die erste Impfung hat, hat einen Impfschutz. Fertig. Es muss genau andersrum sein: wir müssen so viele Leute wie möglich erstimpfen, dann erst die zweite Impfung, dann kommen wir ganz schnell an die Herdenimmunität.“

MV beantragt beim Bund 64.450 Impfdosen für Schüler

23.01 Uhr: Mecklenburg-Vorpommern will mindestens 65 Prozent seiner Schüler ab zwölf Jahren zeitnah impfen und hat dazu die Lieferung von 64.450 Dosen des Präparats von Biontech/Pfizer beim Bund beantragt. Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) sagte am Mittwoch, das Konzept sei beim Bundesgesundheitsministerium hinterlegt. "Ich gehe davon aus, dass wir dann auch die Impfdosen bekommen." Das Bildungsministerium in Schwerin werde die Eltern anschreiben und ermitteln, wie hoch die Impfbereitschaft insgesamt sei. Er hoffe auf eine hohe Bereitschaft, sagte Glawe.

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nach seinen Worten rund 93.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren. Sein Ziel sei es, möglichst noch vor Beginn des neuen Schuljahrs am 2. August oder mit dem Schulstart zu impfen. Mecklenburg-Vorpommern ist das erste Bundesland, in dem die Sommerferien enden.

Bundesweit wird angestrebt, bis Ende August allen Kindern ab zwölf Jahren Impfangebote zu machen. Dazu soll an diesem Donnerstag ein Impfgipfel von Bund und Ländern stattfinden. Voraussichtlich an diesem Freitag will die EU-Arzneimittelbehörde EMA über eine entsprechende Zulassung für den bisher ab 16 Jahren zugelassenen Impfstoff von Biontech/Pfizer entscheiden.

Biontech kann zugesagte Liefermengen nicht einhalten

17.58 Uhr: Biontech reduziert in den kommenden zwei Wochen seine zugesagte Liefermenge mit Corona-Impfstoff, will aber dafür Ende Juni zusätzliche Mengen liefern. Die Lieferzusage für das laufende Quartal werde eingehalten, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Mittwoch unter Berufung auf Angaben des Unternehmens mit. Das Ministerium versicherte, dass diese Änderungen keine Auswirkungen auf die zugesagte Liefermenge für die Länder hätten. 

Die Länder erhalten demnach die zugesagte Menge an Impfstoff für ihre Impfzentren. Die anstehenden Zweitimpfungen in den Arztpraxen seien ebenfalls gesichert. Auch in den kommenden Wochen würden weiterhin Erstimpfungen in den Arztpraxen vorgenommen. Dort seien wie in den Impfzentren zudem in den kommenden Wochen mehr Zweit- als Erstimpfungen zu erwarten.

Laschet warnt vor Engpässen bei Impfstoff-Lieferungen

16.43 Uhr: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat den Bund aufgefordert, ausreichend Impfstoff für den Sommer zu beschaffen. Die Impfkampagne laufe nur so lange weiter, wie für Nachschub gesorgt werde, sagte der CDU-Bundesvorsitzende am Mittwoch nach dem Besuch des Impfzentrums in Düsseldorf. Der Bund müsse "alles dafür tun, damit es im Sommer keine Dellen oder Ausfälle gibt." Federico Gambarini/dpa Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

Zum Beginn der Corona-Schutzimpfungen für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren sagte Laschet: "Wenn Impfstoff knapp wird und man eine Gruppe priorisiert, fehlt er woanders." Zunächst aber müsse die Zulassung des Corona-Impfstoffs der Hersteller Biontech/Pfizer durch die EU-Arzneimittelbehörde EMA und die Empfehlung der Ständigen Impfkommission abgewartet werden.

"50 Millionen Dosen in Drittstaaten abgezweigt": EU bekräftigt Vorwürfe gegen Astrazeneca

14.20 Uhr: Wegen der massiven Verzögerungen bei Impfstofflieferungen hat die EU-Kommission dem Hersteller Astrazeneca vor Gericht eine "eklatante Verletzung" von Vertragspflichten vorgeworfen. Das britisch-schwedische Unternehmen habe "nicht alle ihm zur Verfügung stehenden Instrumente eingesetzt", um die EU rechtzeitig zu beliefern, sagte Anwalt Rafaël Jeffareli, der die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten vertritt, am Mittwoch in Brüssel. Statt dessen habe das Unternehmen "50 Millionen Dosen in Drittstaaten abgezweigt".

Die EU hatte im vergangenen Jahr insgesamt 300 Millionen Dosen bei Astrazeneca bestellt. Statt 120 Millionen Dosen im ersten Quartal lieferte das Unternehmen aber nur 30 Millionen. Es verwies dabei auf anfängliche Produktionsprobleme. Aber auch für das zweite Quartal sagte Astrazeneca dann nur 70 statt der vereinbarten 180 Millionen Dosen zu. 

Die Lieferverzögerungen hatten die EU-Impfkampagne im Winter schwer belastet. Für Verärgerung in der EU hatte insbesondere gesorgt, dass die Lieferungen von Astrazeneca an Großbritannien offenbar nicht eingeschränkt wurden. 

Die EU-Kommission hatte Astrazeneca deshalb Ende April vor der belgischen Justiz verklagt. Sie fordert die Lieferung der fehlenden Dosen 200 Millionen Dosen aus dem noch bis Mitte Juni laufenden Vertrag und will ansonsten Schadenersatz verlangen.

Astrazeneca weist die Forderungen der EU zurück: Der Vertrag schreibt demnach lediglich vor, dass das Unternehmen sich bestmöglich anstrenge, um die vereinbarten Ziele zu erreichen.

Klägeranwalt Jeffareli machte nun vor Gericht geltend, Astrazeneca habe die Möglichkeit gehabt, sechs Produktionsstätten zu mobilisieren, um die EU rechtzeitig zu beliefern. Er verwies darauf, dass etwa Ende vergangenen Jahres aus der Produktionsstätte im niederländischen Halix auch Impfstoff nach Japan geliefert worden sei.

Bayern will in sozialen Brennpunkten verstärkt impfen

13.47 Uhr: In sozialen Brennpunkten in Bayern soll künftig verstärkt geimpft werden. "Es ist unsere Aufgabe, die Schwächsten unserer Gesellschaft zu unterstützen. Wir müssen daher gerade auch Bedürftige und sozial Benachteiligte mit der Impfung erreichen und vor dem Coronavirus schützen", sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Mittwoch. "Der Freistaat stellt daher wie geplant 6000 Impfdosen von Johnson & Johnson für Sonderimpfaktionen zur Verfügung."

Man habe die Impfzentren aufgefordert, Impfungen in sozialen Brennpunkten vorzubereiten. "Wir wollen über mobile Teams und Impfbusse ein flexibles Impfangebot direkt zu den Menschen bringen", erklärte er. Vorhandene Spielräume nutze man im Rahmen von Sonderaktionen.

Holetschek startete am Mittwoch Impfungen bei der Tafel in Augsburg. "Die Kommunen wissen am besten, wo es vor Ort Bedarf gibt, zum Beispiel in welchen Stadtvierteln. Unterstützung bieten ihnen dabei unter anderem die lokalen sozialen Einrichtungen, Sozialämter, Integrationsbeiräte, Vereine und Religionsgemeinschaften", so Holetschek. Und auch die örtlichen Tafeln seien eine wichtige Anlaufstelle. "Sie können den Zugang zur Impfung insgesamt deutlich erleichtern."

Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) erklärte: "Mit dem unbürokratischen und niederschwelligen Impfangebot für die Kundinnen und Kunden der Tafeln Augsburg nehmen wir besonders die Menschen in den Blick, die sich aufgrund ihrer prekären Lebenssituation oft schwertun, das reguläre Impf- und Testangebot zu nutzen."

Die Tafeln böten für diese Menschen nicht nur Versorgung mit Lebensmitteln und Sachspenden, sondern unterstützten auch die mobilen Impfteams. Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) kündigte an, sobald die Impfpriorisierung in den Impfzentren aufgehoben sei und die Impfstoffverfügbarkeit es zulasse, werde die Stadt in einzelnen Stadtvierteln Impfungen durch mobile Teams anbieten.

Spahn befürwortet Kinder-Impfungen – trotz Stiko-Zögern

09.46 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn setzt weiterhin auf Corona-Schutzimpfungen für ältere Kinder und Jugendliche, auch wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) dafür keine allgemeine Empfehlung aussprechen sollte. Die Stiko gebe eine Empfehlung, sagte der CDU-Politiker in der Sendung "Frühstart" bei RTL/ntv. "Im Lichte dieser Empfehlung können dann die Eltern mit ihren Kindern, den Ärztinnen und Ärzten die konkreten Entscheidungen treffen, ob jemand geimpft wird oder nicht." Dies sei eine individuelle Entscheidung. Kay Nietfeld/dpa Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei der Bundespressekonferenz

Der Hersteller Biontech/Pfizer hat eine Zulassung seines Präparats ab zwölf Jahren bei der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) beantragt. Mit einer Entscheidung wird noch bis Ende Mai gerechnet. Die Stiko behält sich aber eigene Klärungen für eine mögliche Impfempfehlung vor. Ihr Mitglied Rüdiger von Kries erwartet derzeit nicht, dass es eine allgemeine Impf-Empfehlung für alle Kinder geben wird.

Spahn sagte: "Der Impfstoff wäre dann, wenn die Europäische Arzneimittelagentur das macht, ein zugelassener Impfstoff auch für diese Altersgruppe." Schon vor Beginn der Sommerferien solle den ersten Kinder und Jugendlichen dann ein Impfangebot gemacht werden, erklärte er. "Wenn die Zulassung da ist, werden wir dann nach und nach – nicht allen auf einmal – Kindern und Jugendlichen über zwölf Jahren ein Angebot machen, sich impfen zu lassen."

Eine Impfung als Voraussetzung zur Teilnahme am Präsenzunterricht lehnte der Gesundheitsminister jedoch ab: "Ich sehe nicht, dass wir eine verpflichtende Impfung haben werden für den Schulbesuch."

 

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