Pneumokokken-Impfstoffe sind knapp bis nicht lieferbar. Grund sind verstärkte Pneumokokken-Impfungen wegen der SARS-CoV-2-Pandemie. Nun gilt es, die verfügbaren Impfstoffe Prevenar 13, Pneumovax 23 und Synflorix sinnvoll einzusetzen und besonders vulnerable Patienten zu schützen. Wer sollte Prevenar 13 erhalten, wer Pneumovax 23? Das Paul-Ehrlich-Institut und die AMK haben Empfehlungen veröffentlicht.

Eine Pneumokokken-Impfung verhindert keine COVID-19-Erkrankung. Allerdings lohnt sich ein Pneumokokkenschutz dennoch, um zusätzliche Komplikationen bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 vorzubeugen.

Versorgungsmangel bei Pneumokokken-Impfstoffen

Nun sind, aufgrund einer erhöhten Impfnachfrage durch COVID-19, Pneumokokken-Impfstoffe knapp. Im Bundesanzeiger machte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) am vergangenen Dienstag (17.03.2020) nach § 79 Absatz 5 des Arzneimittelgesetzes einen Versorgungsmangel an Pneumokokken-Impfstoffen bekannt, da „eine Infektion mit Pneumokokken (…) für besondere Personengruppen, insbesondere in Verbindung mit einer Erkrankung an COVID-19, eine lebensbedrohliche Erkrankung darstellen“ kann. Durch den Mangel mit in Deutschland zugelassenen Pneumokokken-Impfstoffen sei die Impfung der von der STIKO empfohlenen Personengruppen derzeit nicht flächendeckend sichergestellt, so das BMG. Den Versorgungsmangel gab das BMG vor kurzem auch für potenziell wirksame Arzneimittel oder präventive Impfstoffe gegen COVID-19 bekannt.

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Corona-Pandemie: weltweiter Mangel an Pneumokokken-Impfstoff?

In wieweit die damit eröffnete Importmöglichkeit zum Erfolg führen wird, ist allerdings fraglich – SARS-CoV-2 hat sich zu einer Pandemie entwickelt. Der Bedarf an Pneumokokken-Vakzinen dürfte weltweit erhöht sein, und den Import von Pneumokokken-Impfstoff erschweren. MSD, der Hersteller von Pneumovax® 23, erklärte jüngst gegenüber DAZ.online: „Wir erleben derzeit weltweit einen erhöhten Bedarf an Pneumovax® 23. Deshalb können wir Bestände nicht zwischen Ländern umschichten.“

Welche Pneumokokken-Impfstoffe gibt es?

In Deutschland sind drei verschiedene Pneumokokken-Impfstoffe zugelassen:

  • ein 10-valenter Konjugatimpfstoff (PCV10, Synflorix®), zugelassen für das Alter von 6 Wochen bis 5 Jahre; konjugiert an Protein D-Trägerprotein (stammt von nicht-typisierbarem Haemophilus influenzae), konjugiert an Tetanustoxoid- Trägerprotein, konjugiert an Diphtherietoxoid-Trägerprotein und adsorbiert an Aluminiumphosphat.
  • ein 13-valenter Konjugatimpfstoff (PCV13, Prevenar 13®), zugelassen ab dem Alter von 6 Wochen ohne obere Altersgrenze; besteht aus 13 Pneumokokken-Polysaccharid-Serotypen: 1, 3, 4, 5, 6A, 6B,  7F, 9V, 14, 18C, 19A, 19F, 23F (je 2,2 μg). Der Impfstoff ist konjugiert an das CRM197-Trägerprotein und adsorbiert an Aluminiumphosphat.
  • ein 23-valenter reiner Polysaccharidimpfstoff (PPSV23, Pneumovax® 23), zugelassen ab dem Alter von 2 Jahren ohne obere Altersgrenze; Pneumovax® 23 enthält 23 Pneumokokken-Polysaccharid-Serotypen: 1, 2, 3, 4, 5, 6B, 7F, 8, 9N, 9V, 10A, 11A, 12F, 14, 15B, 17F, 18C, 19A, 19F, 20, 22F, 23F, 33F (je 25 µg)

Die wenigen Dosen Pneumokokken-Impfstoff, die aktuell immer wieder verfügbar sind, sollten vor allem Risikogruppen erhalten. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat reagiert und auch die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) spricht Empfehlungen aus – man will vor allem die besonders vulnerablen Patienten schützen und sichern, dass sie baldmöglichst geimpft werden können. Die Impfstoffe unterscheiden sich allerdings, sodass sich nicht jede Pneumokokken-Vakzine für jeden eignet.

Wer sollte Pneumovax® 23 erhalten, wer Prevenar® 13 und wer Synflorix®? Und warum?

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