Omega-3-Ergänzungsmittel: Mehr Schaden als Nutzen?

Omega-3-Präparate sind beliebt und fast in jedem Supermarkt erhältlich. Die Verbraucherinnen und Verbraucher erhoffen sich durch die Einnahme eine bessere Herzgesundheit. Eine weltweite Untersuchung an über 13.000 Herzpatientinnen und -patienten zeigte nun jedoch, dass hochdosierte Omega-3-Fettsäuren nicht vor kardiovaskulären Vorfälle schützen. Die Einnahme war bei einigen Teilnehmenden sogar mit häufigen Magenbeschwerden und einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern verbunden.

Forschende der Cleveland Clinic raten auf Grundlage ihrer neusten Erkenntnisse davon ab, hochdosierte Omega-3-Fettsäure-Präparate einzunehmen. Die Einnahme führe nicht zu der gewünschten Reduzierung kardiovaskulärer Ereignisse bei Patientinnen und Patienten mit hohem Risiko für Herzkrankheiten und sei sogar mit einer Zunahme von Beschwerden verbunden. Die Ergebnisse wurden kürzlich in dem renommierten Fachjournal „JAMA“ vorgestellt.

Präparate scheinen gesunde Ernährung nicht zu ersetzen

Durch die groß angelegte Studie wollte das Team der Cleveland Clinic herausfinden, wie groß der Nutzen von Omega-3-Ergänzungsmitteln zum Schutz des Herzens ist. In Bevölkerungen, die über die Ernährung viel Omega-3 aufnehmen, zeigen sich weniger Herzerkrankungen. Der Effekt wurde überwiegend den gesunden Fettsäuren zugesprochen. Ob sich dies auch durch die Einnahme von Präparaten erzielt lässt, gilt in der Wissenschaft als umstritten.

Ablauf der Studie

Im Rahmen der länderübergreifenden STRENGTH-Studie erhielten 13.078 Teilnehmende nach dem Zufallsprinzip entweder täglich das hochdosierte Omega-3-Fettsäuren-Präparat Epanova oder ein Placebo mit Maisöl. Die Probandinnen und Probanden stammten aus Nordamerika, Europa, Südamerika, Asien, Australien, Neuseeland und Südafrika. 70 Prozent der Teilnehmenden litten an Diabetes und bei 46 Prozent lag eine koronare Herzkrankheit vor.

Keine Unterschiede in den Gruppen

Wie sich herausstellte, konnte die hochdosierte Behandlung mit Omega-3-Fettsäuren die Risikopatientinnen und -patienten nicht vor weiteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Die Studie wurde sogar vorzeitig beendet, da keine gesundheitlichen Vorteile in der Omega-3-Gruppe gegenüber der Placebo-Gruppe festgestellt werden konnten – es zeichnete sich sogar ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern in der Omega-3-Gruppe ab.

Frühere Ergebnisse könnten irreführend sein

Eine frühere klinische Studie aus dem Jahr 2018 (REDUCE-IT-Studie) kam zu dem Ergebnis, dass die Gabe von Omega-3-Fettsäure-Präparaten bei Herzrisikopatientinnen und -patienten zu einer Verringerung von kardiovaskulären Ereignissen führt. Das Team der aktuellen Studie fragte sich, warum die beiden Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kamen und verglich die beiden Untersuchungen miteinander.

„Diese Ergebnisse haben die Frage aufgeworfen, warum die STRENGTH-Studie neutral war, während eine frühere Studie positive Ergebnisse zeigte“, kommentiert der leitende Studienautpr Dr. Steven Nissen.

Teilnehmende der früheren Studie erhielten schädliches Placebo

Es stellte sich heraus, dass die Placebo-Gruppe der REDUCE-IT-Studie aus dem Jahr 2018 ein Placebo mit Mineralöl erhielt. Laut den Expertinnen und Experten der Cleveland Clinic kann Mineralöl ungünstige Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel sowie auf bestimmte Entzündungsmarker haben. Es sei daher wahrscheinlich, dass sich die Gesundheit der Omega-3-Gruppe nicht verbesserte, sondern sich der Zustand der Placebo-Gruppe verschlechterte. Der Unterschied wurde dann Zugunsten des Omega-3 ausgelegt und nicht zu Lasten des Mineralöls.

Studie wurde vorzeitig abgebrochen

Die aktuelle Studie der Cleveland Clinic wurde zum Schutz der Teilnehmenden vorzeitig abgebrochen, da im Laufe der Untersuchung 1.384 Patientinnen und Patienten entweder einen kardiovaskulären Tod, einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder andere Herzbeschwerden mit Krankenhausaufenthalt erlitten. Die Verteilung war in beiden Gruppen fast gleich: 12 Prozent der Betroffenen kamen aus der Omega-3-Gruppe und 12,2 Prozent aus der Placebo-Gruppe.

Omega-3-Präparate könnten mehr schaden als nutzen

Zudem stellten die Forschenden fest, dass es bei 24,7 Prozent der Personen in der Omega-3-Gruppe zu häufigen gastrointestinalen Beschwerden kam. In der Placebo-Gruppe lag dieser Anteil nur bei 14,7 Prozent. Zudem entwickelten mehr Teilnehmende in der Omega-3-Gruppe (2,2 Prozent) Neuerkrankungen an Vorhofflimmern als in der Placebo-Gruppe (1,3 Prozent).

Erhöhen Omega-3-Präparate das Risiko für Vorhofflimmern?

In weiteren Untersuchungen will das Team nun feststellen, ob Omega-3-Präparate das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen. „Die STRENGTH-Studie zeigte einen 67-prozentigen Anstieg des Vorhofflimmerns in der Omega-3-Behandlungsgruppe, was darauf hindeutet, dass es eine gewisse Unsicherheit darüber gibt, ob die Verabreichung einer Omega-3-Fettsäure-Formulierung einen Netto-Nutzen oder Schaden hat“, resümiert Studienzweitautor Dr. Michael Lincoff. (vb)

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