SARS-CoV-2-Impfstoff von Janssen nach erster Dosis wirksam?

Zwei Impfstoffe gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 wurden bereits in der EU zugelassen. Mehrere weitere Kandidaten befinden sich derzeit in der Entwicklung, darunter das Vakzin des belgischen Herstellers Janssen. Erste Ergebnisse zeigten nun, dass der neue Vektorimpfstoff bei einem Großteil der Teilnehmenden bereits nach der ersten Dosis größere Mengen von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 erzeugte.

Forschende des belgischen Pharmaunternehmens Janssen Pharmaceutica N.V. (Dachorganisation: Johnson & Johnson) stellen die Ergebnisse einer Phase 1-2a-Studie zu dem neuen Vektorimpfstoff „Ad26.COV2.S“ gegen SARS-CoV-2 vor. Das Vakzin ist vielversprechend, da sich bereits nach der ersten verabreichten Dosis bei über 90 Prozent der Testpersonen Coronavirus-neutralisierende Antikörper in höheren Konzentrationen bildeten. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich in dem renommierten „New England Journal of Medicine“ vorgestellt.

Wie funktionieren Vektorimpfstoffe?

Wirksame Impfstoffe werden weiterhin dringend benötigt, um die anhaltende Coronavirus-Pandemie einzudämmen. Bei dem Impfstoffkandidat „Ad26.COV2.S“ handelt es sich um einen sogenannten Vektorimpfstoff. Diese nutzen ungefährliche Viren, um mit deren Hilfe Erbinformationen von gefährlichen Erregern zu übermitteln, damit sich das Immunsystem vorbereiten kann.

In dem Fall verwendeten die Forschenden das Adenovirus Serotyp 26 (Ad26), das die Erbinformationen des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 übermitteln soll. Mithilfe der Spike-Proteine hält sich das Coronavirus an menschlichen Zellen fest und dringt dann in diese ein. Liegen Antikörper gegen das Spike-Protein vor, binden sich diese an das Protein, woraufhin sich das Coronavirus nicht mehr an die Zellen heften kann und folglich auch nicht mehr in diese eindringen kann. Es gibt bereits zugelassene Vektorimpfstoffe mit dem Adenovirus Serotyp 26 gegen das Ebolavirus. Diese Vakzine wurden schon mehr als 80.000 Mal verabreicht.

Ablauf der Studie

Seit dem 22. Juli 2020 wird der neue Impfstoff in 12 Zentren in Belgien und den USA getestet. Bislang erhielten 402 Probandinnen im Alter von 18 bis 55 Jahren sowie 403 ältere Personen über 65 Jahre im Rahmen der Studie entweder den Impfstoff Ad26.COV2.S in niedriger Konzentration, in hoher Konzentration oder ein Placebo.

Studienergebnisse

29 Tage nach der Injektion wurden die Antikörper gegen das SARS-CoV-2-Spike-Protein gemessen. Bereits nach der ersten Dosis wiesen über 90 Prozent der Teilnehmenden, die den Impfstoff und nicht das Placebo erhielten, neutralisierende Antikörper-Titer auf. Der Titer ist ein Maß für die Immunität des Körpers gegen eine bestimmte Krankheit nach einer vorausgegangenen Impfung. Es wird hierfür die Konzentration der im Blut vorhandenen Antikörper gegen den jeweiligen Erreger gemessen.

Am 57. Tag nach der Injektion erfolgte eine weitere Titermessung. Hierbei konnte bei allen Teilnehmenden (100 Prozent), die den Impfstoff erhielten, Antikörper nachgewiesen werden und zwar unabhängig von der Altersgruppe oder der erhaltenen Konzentration. Eine dritte Messung wurde am 71. Tag durchgeführt. Es zeigte sich, dass die Titer-Werte stabil blieben. Die Gabe einer weiteren Impfstoffdosis führte zu einem Titeranstieg um den Faktor 2,6 bis 2,9.

Wirksamkeit mit nur einer Dosis im Test

Aufgrund der gute Ergebnisse nach der ersten Injektion testen die Forschenden derzeit die Wirksamkeit der Impfung mit nur einer Dosis. Die Ergebnisse aus dieser Gruppe liegen aber noch nicht vor.

Registrierte Nebenwirkungen

Nach der Verabreichung der ersten Impfstoffdosis waren die am häufigsten genannten Nebenwirkungen Müdigkeit, Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Schmerzen an der Einstichstelle. In der Gruppe mit den jüngeren Probandinnen und Probanden kam es häufiger zu unerwünschten Ereignissen. Auch Personen, die eine höhere Impfstoffkonzentration erhielten, entwickelten öfter Nebenwirkungen als Personen, die eine niedrigere Konzentration erhielten. Bei allen Teilnehmenden kam es bei der zweiten Impfung zu weniger Beschwerden.

Auch Deutschland arbeitet an einem Vektorimpfstoff

Auch in Deutschland wird zur Zeit an einem Vektorimpfstoff gegen SARS-CoV-2 geforscht. Das Pharma-Unternehmen IDT Biologika GmbH entwickelt zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) den Vektor-Impfstoff „MVA-SARS-2-S“ zum Schutz vor COVID-19. Bei diesem Impfstoff-Projekt berichteten die Forschenden jedoch kürzlich von einem Rückschlag: die Immunreaktionen fielen schwächer aus als erwartet. Weitere Informationen finden Sie im Artikel: Corona-Vektor-Impfstoff: Immunreaktionen schwächer als erwartet. (vb)

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