Die Woche der 90 und 100 Prozent: Bald soll’s einen Corona-Impfstoff geben mit einer Wirksamkeit bis zu 90 Prozent. Vielleicht. Und AvP-geschädigte Apotheken können hoffen: Beim Insolvenzverfahren könnten sie mit einer Quote von 90 Prozent rechnen. Leider auch nur vielleicht. Aber 100 Prozent Dubioses und Erstaunliches bringt ein Gutachten zur Insolvenzeröffnung: Tiefe Einblicke, wie AvP gearbeitet hat. Crazy! Ziemlich lazy: Der Bundesrat wird schon bald das Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz durchwinken, kommentarlos. Es kommt noch vor Weihnachten. 100 Prozent. Was auch schon klar ist: Die ABDA bekommt im nächsten Jahre eine Präsidentin. Ab Januar endlich eine Frau an der Spitze. 100 Prozent. 

9. November 2020

Jetzt wissen wir, was gegen das Corona-Virus hilft: „Ein paar Monate müssen wir noch die Pobacken zusammenkneifen.“ formulierte es liebevoll der RKI-Präsident Lothar Wieler auf der letzten Presskonferenz zur Corona-Lage. Mein liebes Tagebuch, im Ernst: Nach zwei Wochen Lockdown zeigt sich noch nicht der erhoffte Rückgang der Infektionszahlen. Haben die bisherigen Maßnahmen nichts oder zu wenig gebracht? Doch, schon, so Wieler, sie haben mit Sicherheit etwas gebracht, wir müssen noch etwas Geduld haben. Und schon ist das Dritte Bevölkerungsschutzgesetz auf den Weg gebracht, es geht vor allem um weitere oder geänderte temporäre Ermächtigungsgrundlagen für die Regierung während einer „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ – und damit werden die Maßnahmen wie beispielsweise Kontaktbeschränkungen, das Tragen von Masken, die Schließung der Gastronomie und vieles andere auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Geändert werden sollen auch die Vorschriften zum Einsatz der patientennahen Schnelltests auf das Corona-Virus. Die Apotheken sind da nicht dabei, noch nicht. Ob die Apotheken da in Zukunft eine Rolle spielen sollen? „Das ist eine politische Entscheidung“, sagte Wieler, prinzipiell gebe es diese Option. Mein liebes Tagebuch, falls alles noch schlimmer wird, kann es also gut möglich sein, dass die Politik auf uns zugeht. Die ABDA hat bereits wissen lassen: Apotheken sollen auf Corona testen dürfen.

Und es gibt Hoffnungsschimmer: Biontech und Pfizer haben Daten zu ihrem Corona-Impfstoff vorgelegt, die nicht nur die Herzen der Börsianer, sondern auch von Medizinern und Politikern höher schlagen lassen: Es sieht gut aus, die Wirksamkeit könne bis zu 90 Prozent betragen, heißt es, und die Zulassung werde in Kürze beantragt. Die wissenschaftliche Publikation der Daten steht allerdings noch aus. Aber, mein liebes Tagebuch, wenn sich alles weiterhin so gut entwickelt, dann sind das Sternstunden von Big Pharma. Der Impfstoff wird aber vermutlich nicht in der Apotheke landen – da bräuchten wir erst Tiefkühlschränke: Denn der Biontech-Impfstoff muss bei minus 70 bis minus 80 Grad gelagert werden.

Ganz heiße Gedanken macht man sich dagegen bereits über die Verteilung des Impfstoffs: Wer darf zuerst geimpft werden? Experten der Ständigen Impfkommission, Ethiker und andere haben bereits ein Positionspapier dazu vorgelegt: Hochrisikopatienten, wichtiges Personal in Kliniken und Pflegeheimen und Personen, die in Bereichen zur Daseinsvorsorge arbeiten (z. B. Mitarbeiter von Gesundheitsbehörden, bei Polizei, Lehrer). Mein liebes Tagebuch, Apothekenpersonal ist da vermutlich auch dabei. Geimpft wird nicht in Hausarztpraxen, so das Positionspapier, sondern in staatlichen Impfzentren, wie auch immer die aussehen werden. Mein liebes Tagebuch, im ersten Quartal des kommenden Jahres könnten die Impfungen starten.

Die Masken, die nicht von allen geschätzten Mund-Nase-Bedeckungen, werden uns aber mit Sicherheit weit ins nächste Jahr hinein begleiten. Und auch die Menschen, die sich weigern, Masken zu tragen. Die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg hat sich Gedanken darüber gemacht, wie man in der Apotheke mit solchen Kunden umgeht, die sich nicht an die Maskenpflicht halten wollen. Dulden darf man diese Zeitgenossen nicht in der Apotheke, das wäre ordnungswidrig. Die Kammer empfiehlt, vom Hausrecht Gebrauch zu machen und sie aufzufordern, vor der Apotheke zu warten, wo sie bedient werden können. Auch das Bedienen durch die Notdienstklappe ist eine Option. So könnte es gehen.

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