Längst überfällig oder noch zu riskant? Die Abschaffung der Maskenpflicht an Schulen spaltet die Experten. Einige sind zwingend dafür, andere halten es dagegen für äußerst unklug. Die Argumente im Überblick.

Immer mehr Experten sprechen sich für die Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen aus. Etwa der Berliner Kinderarzt und Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske. "Weil Kinder und Jugendliche jetzt genügend gelitten haben", sagt er im Deutschlandfunk.

Sie hätten zurückgesteckt und Rücksicht auf ältere Altersgruppen genommen. "Jetzt ist endlich wieder Zeit, normalen Unterricht zu machen, normal durch Mund und Nase atmen zu können, ohne dass hier eine Beschränkung durch die Maske da ist."

Natürlich würden sich Viren dadurch wieder schneller verbreiten, sagte Maske. "Aber wir sind wenig besorgt, weil Kinder sehr, sehr, sehr selten wirklich schwer erkranken." Sie sollten aber weiter durch Impfungen des Schulpersonals und der Lehrer geschützt werden.

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"Mehr Infektionskrankheiten bei Kindern, die viele vorher nicht auf dem Radar hatten"

Auch die Hausärzte schlagen Alarm: Die Corona-Pandemie sorge für einen starken Anstieg von Infektionskrankheiten. "Das liegt auch daran, dass die Menschen wegen der Corona-Beschränkungen eineinhalb Jahre kaum Kontakt zu verschiedenen Viren hatten", sagt der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, der "Passauer Neuen Presse".

"Insofern ist ihr Immunsystem nicht gut trainiert gegen viele Viren, mit denen wir normalerweise gut fertig werden. Das Resultat: Erkältungskrankheiten fallen stärker ins Gewicht. Die Lockdowns haben also nicht nur Vorteile gebracht."

Gerade bei Kindern sehe man mehr und mehr Infektionskrankheiten, die viele vorher nicht auf dem Radar gehabt hätten, sagte Weigeldt. Immer wieder seien Lehrende beziehungsweise Erwachsene Infektionsquellen für Kinder. Weigeldt befürwortet daher die "Impfpflicht für solche Berufsgruppen".

Er sprach sich für eine Aufhebung der Maskenpflicht aus – zumindest für die jüngeren Jahrgänge an Schulen, und verpflichtende Impfungen für das Lehrpersonal, wie auch Beschäftigte in anderen sensiblen Berufsgruppen, wie in der Pflege.

"Immunsysteme so untrainiert, dass sie an Viren erkranken, die ihnen früher nichts anhaben konnten"

Auch Kassenarzt-Chef Andreas Gassen plädierte für eine Aufhebung der Maskenpflicht in Schulen. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Donnerstag): "Aus meiner Sicht ist es vertretbar, in Schulen auf Masken zu verzichten."

Gassen verwies zur Begründung auf die regelmäßigen Corona-Tests in den Schulen und auf unerwünschte gesundheitliche Folgen der Corona-Schutzmaßnahmen. "Durch die langen Phasen des Lockdowns, Social Distancing und des Maskentragens sind die Immunsysteme der Kinder mittlerweile so untrainiert, dass sie an Viren erkranken, die ihnen früher nichts anhaben konnten".

Virologin Brinkmann und SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach dagegen

Klar gegen die Aufhebung hatte sich dagegen kürzlich Virologin Melanie Brinkmann. Sie hält die Abschaffung der Maskenpflicht an Schulen für verfrüht.

"Wenn man etwas abschaffen möchte, dessen Nutzen wissenschaftlich erwiesen ist und das fast nichts kostet, kann man das machen. Die Frage ist nur, ob es klug ist", sagte sie der "Rheinischen Post".

"Bei der hohen Anzahl an Nicht-Geimpften, und hierzu zählen die Kinder, halte ich diese Entscheidung für verfrüht – und ehrlich gesagt auch für ziemlich dumm."

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt vor einer Aufhebung der Maskenpflicht. Zum jetzigen Zeitpunkt, kurz vor Beginn einer möglichen vierten Coronawelle, sei das "sehr riskant", sagte er in einem Interview mit RTL. "Eigentlich ist es jetzt nicht sinnvoll, die Masken jetzt schon wegzunehmen."

Es fehle ein wissenschaftlicher Standard und zudem eine bundesweite Einheitlichkeit dieser Maßnahme. Seine Empfehlung, falls die Maskenpflicht wegfällt: Die Schüler dreimal pro Woche testen und falls ein Kind positiv ist, müssten alle Kinder der Klasse für fünf Tage getestet werden. "Mit dem System minimiert man Quarantäne ohne Masken", so Lauterbach.

Wie hoch ist die Corona-Gefahr für Kinder? Auch das wird kontrovers diskutiert

Wie gefährdet sind Kinder und Jugendliche durch Covid-19? Auch das wird seit Langem kontrovers diskutiert. Befürworter strengerer Corona-Maßnahmen an Schulen argumentieren, dass auch Kinder schwer erkranken könnten. Sie weisen auf mögliche Langzeitfolgen ("Long Covid") hin.

Kinder- und Jugendmediziner hatten Anfang September dagegen in einem offenen Brief für weniger strenge Maßnahmen geworben: Es sei wissenschaftlicher Konsens, dass Kinder und Jugendliche selbst nur in seltenen Fällen schwer erkranken und in der Regel schnell genesen würden.

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