Ifosamid gegen Krebs: Risiko einer Hirnerkrankung

Ifosamid wird für die Behandlung von verschiedenen Krebserkrankungen eingesetzt. Die Behandlung mit dem Krebsmedikament kann mit diversen Nebenwirkungen einhergehen. So ist bekannt, dass bei der Gabe des Mittels häufig eine Enzephalopathie (Hirnerkrankung) auftritt.

Wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erklärt, wird Ifosfamid zur Behandlung verschiedener Krebsarten eingesetzt, darunter verschiedene solide Tumore und Lymphome. Das intravenös verabreichte Krebsmedikament kann mit diversen Nebenwirkungen einhergehen. Doch der Nutzen von ifosfamidhaltigen Lösungen überwiegt laut den Fachleuten weiterhin die Risiken.

Nutzen überwiegt Risiken

Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA ist demnach zu dem Schluss gekommen, dass der Nutzen von ifosfamidhaltigen Lösungen zur Infusion weiterhin die Risiken bei der Behandlung verschiedener Krebsarten, darunter verschiedene solider Tumore und Blutkrebsarten wie Lymphome (Krebserkrankung der weißen Blutkörperchen), überwiegt.

Das Risikobewertungsverfahren wurde eingeleitet, weil zwei neuere in den Fachmagazinen „Therapies“ und „Journal of Clinical Pharmacology and Therapeutics“ veröffentlichte Studien darauf hindeuteten, dass das Risiko einer Enzephalopathie (Hirnerkrankung) bei Ifosfamid, das als Fertiglösung verabreicht wird, höher ist als bei der Pulverform.

Die ifosfamidinduzierte Enzephalopathie ist ein sehr häufiges, bekanntes Risiko und ist im Allgemeinen reversibel (umkehrbar).

Risiko weder bestätigt noch ausgeschlossen

Nach Prüfung aller verfügbaren Daten kam der PRAC zu dem Schluss, dass aufgrund der begrenzten Datenlage ein erhöhtes Enzephalopathierisiko bei Ifosfamid, das als Lösung verabreicht wird, weder bestätigt noch ausgeschlossen werden kann.

Der PRAC empfahl, den bestehenden Warnhinweis zur ifosfamidinduzierten Enzephalopathie in der Fachinformation mit den neuesten Informationen zu dieser Nebenwirkung, einschließlich ihrer Symptome und Risikofaktoren, zu aktualisieren, sowie die Notwendigkeit einer engmaschigen Überwachung der Patientinnen und Patienten hervorzuheben.

Unternehmen, die Ifosfamid als Lösung vermarkten, müssen Studien zur Haltbarkeit durchführen, um die optimalen Lagerungsbedingungen zu ermitteln.

Informationen für Erkrankte

Das BfArM weist Patientinnen und Patienten darauf hin, sofort eine Ärztin oder einen Arzt zu informieren, wenn sie Verwirrung, Schläfrigkeit, Bewusstlosigkeit, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, verschwommenes Sehen, Wahrnehmungsstörungen (Schwierigkeiten beim Verstehen von Informationen, die über die Sinnesorgane vermittelt werden), Probleme bei Bewegungen wie Muskelkrämpfe oder Muskelkontraktionen, Unruhe, langsame oder unregelmäßige Bewegungen, Verlust der Blasenkontrolle und Krampfanfälle haben.

Zudem sollten Patientinnen und Patienten mit einem Arzt oder einer Ärztin sprechen, bevor sie ein ifosfamidhaltiges Arzneimittel erhalten und zuvor mit Cisplatin, einem anderen Arzneimittel gegen Krebs, behandelt worden sind.

Der Arzt oder die Ärztin sollten auch informiert werden, wenn Arzneimittel eingenommen wurden, die auf das Gehirn wirken, wie zum Beispiel Medikamente zur Behandlung oder Vorbeugung von Erbrechen und Übelkeit, Schlafmittel, opioidhaltige Schmerzmittel oder Arzneimittel gegen Allergien.

Und auch irgendwelche Bedenken bezüglich der Behandlung sollten mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Quelle: Den ganzen Artikel lesen