Ab dem morgigen Samstag kann sich jeder, der aus dem Ausland nach Deutschland einreist, binnen 72 Stunden kostenlos bei seinem Gesundheitsamt oder durch einen niedergelassenen Arzt auf das Coronavirus SARS-CoV-2 testen lassen. Angesichts der vorgesehenen Vergütung von pauschal 15 Euro für die Ärzte, spricht Hausärzte-Chef Ulrich Weigeldt von einem „schlechten Scherz“.

In einigen Bundesländern gehen die Sommerferien bereits zu Ende – in anderen fangen sie nun erst an. Wer ins Ausland gereist ist und gerade erst zurückgekommen ist oder wer den Urlaub außerhalb Deutschland noch vor sich hat, kann sich ab dem morgigen Samstag nach seiner Rückkehr kostenlos auf eine Infektion mit der SARS-CoV-2-Virus testen lassen. Symptome müssen nicht vorliegen, Voraussetzung ist nur, dass die Einreise nach Deutschland nicht länger als 72 Stunden zurückliegt. Die Testung kann im örtlichen Gesundheitsamt oder durch einen niedergelassenen Arzt sowie in von den Kassenärztlichen Vereinigungen betriebenen Testzentren vorgenommen werden. Die Leistungserbringer erhalten für die Testung inklusive aller damit verbundenen ärztlichen Leistungen (mit Ausnahme der labordiagnostischen Leistungen) eine pauschale Vergütung von 15 Euro. Die Kosten trägt – jedenfalls zunächst – die Gesetzliche Krankenversicherung. Eine entsprechende Verordnung zur Erweiterung der Testverordnung des Bundes hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gestern unterzeichnet. Sie wurde heute im Bundesanzeiger veröffentlicht und tritt morgen in Kraft.

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Bereits seit Anfang Juni ermöglicht die „Corona-Testverordnung“, dass auch asymptomatische Personen in bestimmten Fällen auf Kassenkosten getestet werden können. Nun weitet sich der Kreis der potenziellen Adressaten mit den Reiserückkehrern aus dem Ausland erheblich aus. Wird die Testung bei einem niedergelassenen Arzt vorgenommen, so wird der Anwendungsbereich zusätzlich auf Rehabilitationseinrichtungen ausgeweitet. Bislang sind bereits Kliniken und Heime erfasst, um besonders vulnerable Gruppen zu schützen – doch die, so die Erkenntnis, finden sich eben auch in Reha-Einrichtungen.

Pflichttest für Rückkehrer aus Risikogebieten soll folgen

Spahn hat in Sachen Reisende aber noch mehr geplant: Mit einer weiteren Anordnung will er Einreisende aus Risikogebieten auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes verpflichten, sich auf Aufforderung durch die zuständigen Behörden testen zu lassen. Diese Anordnung befindet sich noch in Abstimmung mit den Ländern und soll voraussichtlich im Verlauf der nächsten Woche in Kraft treten.

Dazu der Minister: „Die steigenden Infektionszahlen in Deutschland sind ein deutliches Warnsignal. Das Virus macht keine Ferien. Deshalb: Wer von einer Reise zurückkommt, sollte sich testen lassen – freiwillig und kostenlos. Rückkehrer aus Risiko-Gebieten müssen sich in Kürze auf Aufforderung bei Einreise verpflichtend testen lassen. Mehr noch als auf staatliche Anordnungen kommt es weiter auf jeden von uns an. Je besser wir im Alltag aufeinander achten, desto besser kommen wir gemeinsam durch diese Pandemie.“

Weigeldt: Geringschätzung der Hausärzte

Wenig begeistert zeigt sich der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt: „Ich glaube, den Zuständigen ist nicht bewusst, welchen Aufwand eine Testung in der Praxis bedeutet.“ Betrachte man den ganzen aufwendigen Behandlungskomplex, wirkten die 15 Euro, die Hausärztinnen und Hausärzte für den Abstrich bekommen sollen, „wie ein schlechter Scherz“. Weigeldt: „Das ist eine Geringschätzung dessen, was die Kolleginnen und Kollegen hier zu leisten haben und leisten! Davon abgesehen ist unklar, ob die Hausärztinnen und Hausärzte überhaupt die Ressourcen haben, dies zu leisten und über die Verordnung zur Erbringung der Abstriche verpflichtet werden können.“

Auf der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit finden Sie einen Fragen- und-Antworten-Katalog rund um Coronatests nach der Einreise nach Deutschland. 

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