Die Gesundheit Deutschlands und damit jedes Einzelnen steht auf dem Spiel. Davor warnen die Beteiligten des Health Lab. Star-Mediziner Dietrich Grönemeyer hat klare Vorstellungen, was sich im Gesundheitswesen ändern muss und wie das medizinische Dreamteam der Zukunft aussieht.

„Unser Gesundheitssystem ist leistungsstark und hat immer noch einen guten Ruf – aber den drohen wir mehr und mehr zu verspielen“, sagt Dietrich Grönemeyer. Der emeritierte Professor war einer der Gäste auf dem Health Lab by Burda. Hier trafen sich unter dem Motto „#Gemeinsam schneller – Wandel sinnvoll gestalten“ Top-Entscheider aus der Gesundheits- und Medienbranche. Sie diskutierten über anstehende Transformationen und welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt. Philipp Welte, Vorstand Hubert Burda Media, brachte es auf den Punkt: „Wir erleben eine völlig neue Krise, in der die Gesundheit gefährdet ist.“ Als Beispiel nennt er die Arzneimittelknappheit, die in diesem Jahr unter anderem Paracetamol-Säfte oder das Brustkrebsmittel Tamoxifen betraf.

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Die Gesundheitsinfrastruktur in Deutschland sei bedroht. Dieser Meinung ist Grönemeyer ebenso. Gefragt danach, welche eine Sache er im Gesundheitswesen ändern würde, erklärte der Mediziner: Wir müssten eine andere Art von Medizin schaffen. Das Vertrauen vieler Menschen sei abhandengekommen, weil eine gemeinsame Sprache fehle. Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzte, Gesundheits- und Krankenpflegende sowie Apothekerinnen und Apotheker müssten als Team auftreten. Es ist das Dreamteam der Zukunft.

Es brauche eine Medizin, die individuell und ganzheitlich auf den Menschen eingehe. Menschen müssten besser aufgeklärt werden. Dann könnten sie den Behandelnden auf Augenhöhe begegnen und mehr Eigenverantwortung übernehmen. Gleichzeitig müssten die medizinischen Disziplinen zusammenarbeiten. „Wir brauchen Naturheilkunde, Schulmedizin und psychosoziale Medizin“, führte Grönemeyer aus. „Wir könnten der Motor der Welt sein, wenn wir zusammenrücken würden. Für und mit dem Patienten. Wir können der Welt zeigen, dass wir das Gesundheitsland sind.“

„Herr Lauterbach, beruhigen Sie die Bevölkerung“

Auf dem Weg dieses sinnvollen Wandels, im Sinne des Menschen, sei vieles verschleppt worden. Zu dem genannten Team braucht es dem Mediziner zufolge die telemedizinische Betreuung mit den entsprechenden Fachärzten und Fachärztinnen sowie Fachinstitutionen. Mindestens genauso wichtig sei die Erfassung und Vernetzung von Daten. Grönemeyer kritisiert, dass dies beispielsweise bezüglich der Covid-19-Impfungen völlig versäumt worden sei.

Im Interview mit FOCUS online lautete daher sein klarer Appell an Karl Lauterbach: „Die Megadatenanalyse endlich einzuführen!“ Über die Digitalisierung nicht nur reden. Da sei der aktuelle Gesundheitsminister jedoch keineswegs der Einzige. Überall werde seit Jahrzehnten geredet und nichts geschehe. „Ich hatte mein Institut schon Anfang der 1990er Jahre vernetzt“, schilderte der leidenschaftliche Verfechter des Wandels. „Wir hatten damals schon Telemedizin.“ Am praktischen Beispiel hätten sie 1997 gezeigt, wie man Hausarzt-Praxen vernetzen kann – mit den Kliniken und auch mit den Apotheken. Wir seien jetzt fast 30 Jahre weiter und nichts sei passiert.

Grönemeyer forderte: „Herr Lauterbach, machen Sie sich auf und schaffen Sie das und beruhigen Sie die Bevölkerung, die Angst ist groß.“ Keiner wisse, ob er sich zum vierten Mal impfen lassen soll oder nicht. Das alles funktioniere nur in Zusammenarbeit mit den praktizierenden Ärzten. Vor allem, wenn die Hausärzte gestärkt würden, werde eine ganz andere Form von Medizin entstehen und das Vertrauen der Bevölkerung enorm wachsen, in die Medizin, aber auch dann in die Politik wieder.

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