Verbesserte Diagnose von Vorhofflimmern in Aussicht?

Es ist wichtig zu bestimmen, welche Menschen am ehesten häufige und verheerende Herzrhythmusstörungen entwickeln. Forschende untersuchten jetzt, wie die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer Herzrhythmusstörung am besten bestimmt werden kann. Außerdem versuchten sie herauszufinden, wie das Risiko für weitere gesundheitliche Folgebeschwerden bei den Betroffenen bewertet werden kann.

Wie Herzrhythmusstörungen am effektivsten vorhergesagt werden können, versuchte ein internationales Forschungsteam um Jens Cosedis Nielsen vom Aarhus University Hospital in Dänemark herauszufinden. Die Ergebnisse wurden in dem englischen Fachblatt der European Society of Cardiology (ESC) „EP Europace“ publiziert.

Worauf lag der Fokus der Forschung?

Bei der Forschungsarbeit konzentrierte sich das Team auf das Vorhofflimmern, die häufigste Herzrhythmusstörung und eine Hauptursache für Schlaganfälle sowie für sogenannte ventrikuläre Tachyarrhythmien (schnelle Herzfrequenz), eine der Hauptursachen für den plötzlichen Herztod.

Wie weit verbreitet ist Vorhofflimmern?

Das Thema Vorhofflimmern ist nach Ansicht der Forschungsgruppe von hoher Bedeutung für die öffentliche Gesundheit: Jeder vierte erwachsene Mensch mittleren Alters in Europa und den USA werde an Vorhofflimmern erkranken. Es werde geschätzt, dass es bis zum Jahr 2030 in der EU etwa 14 bis 17 Millionen Personen mit Vorhofflimmern geben wird, wobei jedes Jahr 120.000 bis 215.000 neue Diagnosen gestellt werden, berichtet das Team.

Veränderungen des Lebensstils können helfen

Eine genaue Risikobewertung ermöglicht eine frühere Diagnose und Intervention bei Vorhofflimmern. Mit der Hilfe von Veränderungen des Lebensstils oder Medikation können gegengesteuert werden. Um bei der Risikobewertung die richtigen Ergebnisse zu erzielen, sei es jedoch wichtig, die Instrumente und Methoden einzusetzen, die nachweislich helfen, den aktuellen Zustand oder den zu erwartenden Verlauf vorherzusagen, erläutert die Forschungsgruppe.

Was beeinflusst das Risiko für Vorhofflimmern?

Die Wahrscheinlichkeit Vorhofflimmern zu entwickeln, steigt mit zunehmendem Alter, bei Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Diabetes und vorherigem Herzinfarkt an. Eine Veränderung des Verhaltens, wie die Reduzierung des Alkoholkonsums und Gewichtsabbau, könnte Vorhofflimmern jedoch verhindern oder zumindest den Ausbruch verzögern.

Wodurch wird das Risiko eines Schlaganfalls beeinflusst?

Bei Personen mit Vorhofflimmern steigt die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls ebenfalls durh verschiedenen Faktoren wie zunehmendes Alter, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Diabetes, einen früheren Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Die Forschungsarbeit zeigt allerdings auch, dass das Schlaganfallrisiko bei Menschen mit einer Kombination dieser Faktoren durch sogenannte Antikoagulanzien (Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung) deutlich gesenkt werden kann.

Vorhofflimmern erhöht Risiko für Schlaganfälle erheblich

Ein Viertel der Schlaganfälle tritt bei Menschen mit Vorhofflimmern auf. Dabei haben Schlaganfälle aufgrund von Vorhofflimmern auch bei nicht tödlichem Verlauf meist schwerere gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge, als Schlaganfälle mit anderen Ursachen. Eine verlässliche Risikobewertung könnte helfen, viele dieser Schlaganfälle zu vermeiden.

Herzinfarkt erhöht Risiko für ventrikuläre Tachyarrhythmie

Wenn es um sogenannte ventrikuläre Tachyarrhythmie (schnelle Herzfrequenz) geht, ist der häufigste prädisponierende Faktor ein vorausgegangener Herzinfarkt. In Kombination mit einer schlechten Pumpfunktion des Herzens (Ejektionsfraktion) haben Personen ein erhöhtes Risiko für einen Herzstillstand mit Todesfolge. Der plötzliche Herztod könnte jedoch bei vielen Betroffenen durch die Implantation eines Defibrillators verhindert werden, erläutert die Forschungsgruppe.

Smartwatches zur Diagnose von Vorhofflimmern?

In der Forschungsarbeit wird auch das Thema tragbare Technologien wie beispielsweise Smartwatches behandelt. Es gibt Belege dafür, dass diese Geräte bei der Diagnose von Vorhofflimmern helfen können, allerdings variiert die Genauigkeit. Es gibt immer noch ein Problem mit vielen falsch-positiven Ergebnissen, bei denen das Gerät fehlerhaft anzeigt, dass eine Person unter Vorhofflimmern leidet, berichten die Forschenden. Tragbare Technologien könnten sich in Zukunft als sehr wertvoll erweisen, aber im Moment haben sie keinen definierten Platz in der Risikobewertung, fügt die Forschungsgruppe hinzu. (as)

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