Zuletzt hatten Ärzte einen besorgniserregenden Rückgang der Patienten mit akuten Erkrankungen und Symptomen, etwa Herzinfarkten oder Schlaganfällen, gemeldet. Eine Studie der AOK zeigt jetzt, wie drastisch der Rückgang ist.

Bis vor Kurzem war ein Großteil der Kapazitäten in den Kliniken auf Anordnung der Bundesregierung für Corona-Patienten freigehalten worden. Doch die Befürchtete Welle blieb aus.

Deshalb sind jetzt bundesweit zehntausende Betten nicht belegt. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft schätzt, dass bundesweit rund 150.000 Betten frei sind. Viele Patienten gehen allerdings aus Angst vor einer Virus-Infektion nicht ins Krankenhaus. Dabei müssten gerade Patienten mit akuten Erkrankungen schnellstmöglich behandelt werden.

Deutlicher Rückgang der Patienten mit akuten Erkrankungen

Eine Studie der AOK, die FOCUS Online vorliegt, zeigt nun das Ausmaß dieses Dilemmas. Demnach wurden im April dieses Jahres 66 Prozent weniger Krankheiten des Muskel-Skelett-Syndroms und des Bindegewebes diagnostiziert als im Vorjahresmonat.

Weiter wurden 51 Prozent weniger Atmungssystemkrankheiten, 47 Prozent weniger Verdauungserkrankungen und 41 Prozent weniger Kreislauferkrankungen diagnostiziert. Bei den eingelieferten Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten verzeichnet die AOK einen Rückgang von 30 Prozent. Verletzungs- und Vergiftungsdiagnosen gingen um 29 Prozent zurück.

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Angst vor Corona wurde Rentner zum Verhängnis

Wie Rentner Wilfried J. der "Bild" schildert, hätte er wegen einer Entzündung am kleinen Zeh eigentlich ins Krankenhaus gemusst. "Ich habe Diabetes, kannte die Gefahr. Aber weil gerade mit Corona losging, wollte ich aus Angst nicht ins Krankenhaus." Die Folge: Eine Blutvergiftung. Die Ärzte hätten ihm erst drei Zehen, dann schließlich den Ganzen Fuß amputieren müssen.

Dabei ist die Angst, sich in einer Klinik mit dem Virus zu infizieren, unbegründet. So tun die Krankenhäuser alles, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. So werden etwa Corona-Patienten getrennt von allen anderen Patienten behandelt. "Mit der abgetrennten Station und der  Zimmer-Isolierung besteht kein erhöhtes Ansteckungsrisiko für andere Patienten", heißt es etwa bei der Asklepios-Klinik im oberbayerischen Bad Tölz.

Bei Tumor oder Schlaganfallsymptomen nicht zögern

"Wenn man akuten Behandlungsbedarf nicht erkennt, riskiert man möglicherweise lebensbedrohliche Probleme", warnt Niels Reinmuth, Chefarzt für Thorakale Onkologie an der Asklepios Fachklinik in Gauting bei München. "Bei einem Tumor kann eine Verzögerung bedeuten, dass die Erkrankung gar nicht mehr oder mit sehr viel schlechteren Heilungschancen behandelt werden kann."

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Zuletzt hatte, anlässlich des Tags gegen Schlaganfall, auch die Kassenärztliche Vereinigung in Niedersachsen (KVN)  gefordert, dass Menschen mit Schlaganfallsymptomen trotz der Corona-Epidemie unverzüglich einen Arzt oder eine Klinik alarmieren sollten. Sonst drohe ein tödlicher oder schwerwiegender Verlauf. Bei den Fachärzten sei der Andrang von Patienten in den vergangenen Wochen um 30 Prozent zurückgegangen. Selbst chronisch Kranke kämen häufig nicht zur regelmäßigen Kontrolle in die Praxis.

Auch aus der Politik kam deshalb zuletzt immer wieder der Appell, sich bei schweren Symptomen und Erkrankungen unverzüglich untersuchen und notfalls behandeln zu lassen.

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