In Anlehnung an den Verfasser des Werkes „Herr der Ringe“ lud Prof. Dr. med. Thomas Herdegen, Kiel, die Zuhörer seines Vortrages auf der Interpharm online zu einer „tolkienen“ Reise in das „Land“ der trizyklischen Neuropharmaka ein. Eine seiner wichtigsten Take-Home-Messages: „Bitte verachten Sie diese Wirkstoffe nicht, denn wir haben nur wenige Alternativen. Dieses pharmazeutische Gold, auch wenn es nicht mehr so glänzt wie früher, sollten wir weiterhin wertschätzen.“

Vor der Entwicklung der Antipsychotika in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts gab es nur wenige Möglichkeiten zur Behandlung psychischer Störungen. Betroffenen wurden beispielsweise Morphium, Chloralhydrat, Barbiturate oder Alkohol verabreicht, man isolierte sie oder steckte sie in Zwangsjacken – und das waren noch die „harmloseren“ Methoden.

Der Beginn einer „pharmakologischen Revolution“

Erst im Jahre 1950 synthetisierte der französische Chemiker Paul Charpentier in Lyon mit Chlorpromazin das erste Trizyklikum. Dieser Wirkstoff markierte den Beginn der modernen Neuropharmakologie, wobei seine antipsychotische Wirkung erst fünf Jahre später erkannt wurde. Durch die Einführung der trizyklischen Neuroleptika konnten Patienten mit Schizophrenie und anderen psychiatrischen Erkrankungen zwar nicht geheilt werden; es wurde jedoch möglich, sie auch außerhalb geschlossener Anstalten zu betreuen, sodass sich ihre Lebensqualität deutlich erhöhte.

„Pharmakodynamische Alleskönner“

Laut Herdegen sind die trizyklischen Neuroleptika „pharmakodynamische Alleskönner“, da sie gleich mehrere Rezeptoren hemmen: Dopamin-, Serotonin-, Histamin-, Muskarin- und Adrenorezeptoren. Die Affinitäten variieren jedoch teilweise beträchtlich, woraus sich das unterschiedliche Haupt- und Nebenwirkungsspektrum der heute zugelassenen Wirkstoffe ergibt. Diese Variation gibt es auch bei den später auf den Markt gekommenen atypischen Neuroleptika. Damit haben die Trizyklika „das Feld vorbereitet, auf dem später die Atypika weiterentwickelt wurden“, so Herdegen.

Wichtige Beratungshinweise

Wie kann nun die Beratung in der Apotheke Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen bei der Anwendung ihrer Arzneimittel unterstützen? Laut Herdegen ist eine wichtige Aufgabe die Stärkung der Compliance. So besteht beispielsweise bei der Schizophrenie eine hohe Rezidivgefahr, selbst unter der Anwendung von Psychopharmaka. Nicht nur Patienten, sondern auch Angehörige und Vertrauenspersonen sollten darüber aufgeklärt sein, dass die Rezidivprophylaxe von großer Bedeutung ist.

Alles nur Placebo?

Ähnlich wie die trizyklischen Antipsychotika sind auch die trizyklischen Antidepressiva wie Amitriptylin, Imipramin oder Trimipramin wegen ihrer vielfältigen Angriffsorte „pharmakodynamische Alleskönner“. Bei diesen Wirkstoffen wird manchmal argumentiert, dass in den Studien der Unterschied in der Wirkstärke zwischen der Verum- und der Placebogruppen nicht besonders groß sei. Herdegen verwies darauf, dass in randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) auch die Placebogruppe hoch interaktiv in das Studienprotokoll eingebunden ist. Dadurch lassen sich die manchmal nur geringen Unterschiede erklären. Doch „Placebo ist nicht nichts tun!“, betonte Herdegen. Studien haben außerdem gezeigt: Je schwerer die Depression, desto größer ist der Abstand zwischen Verum und Placebo.

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