Hörminderung erhöht das Demenz-Risiko

Laut Fachleuten leiden weltweit 50 Millionen Menschen an Demenz, davon allein in Deutschland 1,6 Millionen; bis ins Jahr 2050 werden es hierzulande Schätzungen zufolge bis zu 2,8 Millionen sein. Es ist schon länger bekannt, dass bestimmte Risikofaktoren das Erkrankungsrisiko erhöhen können. Auch eine Hörminderung erhöht die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken.

Am stärksten hängt die Wahrscheinlichkeit für eine Demenzerkrankung mit dem Lebensalter zusammen. Weitere mögliche Ursachen für Alzheimer sind unter anderem Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Depressionen oder Faktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und chronischer Alkoholmissbrauch. Und auch eine Hörminderung ist nun als Risikofaktor für Demenz nachgewiesen worden.

Immer größere Herausforderung

Wie die Universität Leipzig in einer aktuellen Mitteilung schreibt, wird Demenz, die krankhafte Abnahme des Gedächtnisses und der Fähigkeit zu denken und Entscheidungen zu treffen, zu einer immer größeren Herausforderung für Betroffene, Familien sowie Gesundheitssysteme.

Eine aktuelle, repräsentative Studie der Universität Leipzig mit 3.500 Seniorinnen und Senioren über 75 Jahren zeigt, dass Hörbeeinträchtigungen einen signifikanten Einfluss auf die langfristige Entwicklung dieser Krankheit haben.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Journal of the American Geriatrics Society“ veröffentlicht.

Frühe Behandlung sensorischer Beeinträchtigungen

Demenz ist eine der Hauptursachen für Pflegebedürftigkeit im Alter. Derzeit leben weltweit rund 50 Millionen Menschen mit dieser Erkrankung – etwa 1,6 Millionen davon in Deutschland.

Ein wichtiger Bestandteil zur Prävention von Demenz ist die frühzeitige Behandlung sensorischer Beeinträchtigungen. Dies zeigen Daten, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) der Medizinischen Fakultät in Zusammenarbeit mit Forschungszentren aus Hamburg, Bonn sowie Hannover über 20 Jahre erfasst und ausgewertet haben.

Die Studie verdeutlicht, dass Hörbeeinträchtigung, jedoch nicht Sehbeeinträchtigung, ein starker Risikofaktor für Demenz bei Seniorinnen und Senioren ist.

Vermeidbare Risikofaktoren

Den Angaben zufolge betrug die durchschnittliche Zeit vom Studienstart bis zum Beginn der Krankheit fünfeinhalb Jahre. „Insgesamt 30 Prozent der Teilnehmer berichteten am Anfang der Studie über eine Hörminderung und gut ein Viertel der Teilnehmer entwickelte im Laufe der Zeit eine Demenz“, erklärt Studienautor Dr. Alexander Pabst.

„Es zeigte sich, dass Schwerhörigkeit ein signifikanter, unabhängiger Risikofaktor für eine Demenzentwicklung ist. So war das längsschnittliche Erkrankungsrisiko für Teilnehmer mit einer Hörminderung um 16 Prozent erhöht. Unsere Modelle haben gegenüber bisheriger Forschung den Vorteil, dass sie eine Vielzahl weiterer bekannter Risikofaktoren für Demenz und das steigende Sterberisiko der Patienten in der langjährigen Beobachtungszeit korrigierend berücksichtigen“, so der Forscher.

„Die Erkenntnisse der Studie haben wichtige Auswirkungen auf die Versorgung. Auch wenn die biologische Verbindung zwischen Hörstörungen und Demenz weiterer Untersuchungen bedarf, so zeigen die Daten doch eindrücklich, dass der Fokus auf vermeidbare Risikofaktoren das individuelle Demenzrisiko erheblich verringern kann. Ansätze zur Prävention geistiger Abbauprozesse sollten sich das zunutze machen“ erläutert Prof. Dr. Steffi G. Riedel-Heller, Direktorin des ISAP.

Die Expertinnen und Experten sehen kombinierte Interventionen zum Erhalt der kognitiven Leistung als besonders vielversprechend an.

Eine Erhöhung der körperlichen und geistigen Aktivität, gesunde Ernährung, gute Einstellung des Blutdrucks und des Blutzuckers bei entsprechenden Erkrankungen (Bluthochdruck, Diabetes) und auch die frühzeitige Behandlung von Hörbeeinträchtigungen können einen nachhaltigen positiven Effekt auf die kognitive Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität älterer Menschen haben, meinen die Forschenden der Universitätsmedizin Leipzig. (ad)

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