Virologe Christian Drosten hat sich im neuen NDR-Podcast zur Corona-Entwicklung in Deutschland geäußert und dabei vor allem die Kritiker der Corona-Regelungen ins Visier genommen. Auch für die „Corona-Querdenker“ und ihre Theorien fand Drosten klare Worte.

Im Vergleich zu anderen Ländern der EU kommt Deutschland nach wie vor gut durch die Corona-Krise. Dennoch reißt die Kritik an den Corona-Maßnahmen der Regierung nicht ab. Regelmäßig gehen zum Teil Tausende Menschen auf die Straßen, um ihrem Ärger über die Corona-Maßnahmen Luft zu machen. Der Virologe zeigte in der neuen Podcast-Ausgabe nur wenig Verständnis für die Kritik.

Man frage sich, "ob diese Personen vielleicht im Winter, wenn wir eine andere Situation auch in Deutschland wahrscheinlich haben werden, darauf zitiert werden möchten, was sie jetzt im Moment so von sich geben", stellte der Virologe der Berliner "Charité" im "Coronavirus-Update" fest. Er spricht damit auch gleichzeitig manche seiner Kollegen an. Eines der Ziele seiner Kritik ist das so genannte "Deutsche Netzwerk evidenzbasierter Medizin", welches Anfang September eine Stellungnahme zum Coronavirus herausgegeben hat. Darin stellen die Mediziner unter anderem die Wirksamkeit der Maßnahmen in Frage. Drosten wolle sich "nicht über das Papier ergehen", erklärte er, sehe aber etliche Fehler darin und bemängelte, dass der Stellungnahme nicht einmal eine Autorenliste anhänge.

Botschaften, die "komplett kontraproduktiv sind"

Allgemein spart Drosten in der aktuellen Folge nicht mit Kritik an manchen Kollegen: "Es ist ganz schön gewagt, was manche da so sagen", so Drosten. Für ihn sei es fatal, wenn einige Mediziner der Bevölkerung das Gefühl zu vermitteln versuchen, der Lockdown im März sei nicht nötig gewesen. Konkrete Namen will er aber nicht nennen, er finde es "blöd", sich auf einzelne Personen zu versteifen, das habe er oft genug am eigenen Leib erfahren. "Wichtig ist, dass wir in der Öffentlichkeit keine Botschaften setzen, die komplett kontraproduktiv sind", betont Drosten stattdessen.Surftipp: Alle Neuigkeiten zur Corona-Pandemie finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online

"Da jetzt immer mit diesen destruktiven Botschaften zu kommen, zu suggerieren, dass wäre doch alles nicht nötig gewesen, ist genauso intelligent wie in dieser schönen Spätsommerwoche zu kommen und zu sagen: Schauen wir mal nach draußen, es ist doch alles super!", stellt Drosten klar.

Reihenweise "falsch positive Tests" sind "Unsinn"

Denn das vermittle den Menschen ein falsches Gefühl der Sicherheit angesichts des bevorstehenden Herbstes. Zwar gebe es "für den Moment wenige Infektionen" und dieser Eindruck sei für Deutschland auch nicht falsch. Aber: "Man muss nur mal in die Nachbarländer schauen". Drosten erzählt von Stimmen, die weitgehende gesellschaftliche Regulierungen als Voraussetzung dafür sehen, für den Winter gut vorbereitet zu sein. Das sei zwar epidemiologisch richtig, aber gesellschaftlich "nicht tolerabel".


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  • Drosten zieht ein insgesamt Zwischenfazit der Corona-Maßnahmen während der Pandemie. Gleichzeitig äußert Drosten Kritik an einigen Corona-"Querdenkern", die teilweise behaupten, dass alle positiven Test-Ergebnisse in Wahrheit "falsch positiv" Ergebnisse seien. Dadurch seien die Statistiken verfälscht. "Das ist Unsinn", sagt Drosten, "es ist nicht der Fall, dass reihenweise falsch positive Meldungenin die Statistiken eingehen, hinter denen gar keine Krankheitsfällestehen", führt der Virologe aus. In den Laboren gebe es eindeutige Befunde. "Und wenn esgrenzwertige Befunde gibt, werden die Proben überprüft und erneutgetestet", versichert er.

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    Virologe Drosten betont Rolle von Corona-Schnelltests

    Drosten betont mit Blick auf den Winter auch dieBedeutung von Corona-Schnelltests. Man müsse jetzt bei densogenannten Antigen-Tests weiterkommen, sagt der Virologe Im Fall einer Infektionswelle im Winter werdeman diese Tests brauchen. Diese seien zwar nicht perfekt. Drostenverwies aber trotz Abstrichen bei der Zuverlässigkeit auf Vorteilewie Schnelligkeit und Verfügbarkeit vor Ort.

    Was nütze ein sehrempfindlicher PCR-Test, wenn man auf das Ergebnis wegenüberlasteter Labore drei, vier Tage warten müsse, fragte derExperte. Zum Beispiel an der Eingangstür eines Seniorenwohnheimskönnten solche Tests "unglaublich viel Gutes" tun, sagt Drostenmit Blick auf Besuchsmöglichkeiten bei Älteren. Wichtig seiallerdings, nicht irgendwelche Quatschtests zu nutzen, weil daraneine Verantwortung hänge: Im Fall einer nicht angezeigtenInfektion, zum Beispiel im Altenheim, könne sonst ein Ausbruch mitentsprechender späterer Sterblichkeit die Folge sein. Bei den Testssei nun etwa zu klären, wer sie durchführen darf.

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