SARS-CoV-2-Übertragung länger als angenommen

Viele mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 Infizierte entwickeln keinerlei Symptome, aber sie können dennoch das Virus übertragen. In einer aktuellen Studie wurde nun deutlich, dass das Übertragungsrisiko durch asymptomatische Infizierte bisher offenbar deutlich unterschätzt wurde. Zudem ist die Inkubationszeit bei jungen Menschen offenbar deutlich länger, als die bisher angenommenen maximal 14 Tage.

„Jüngere Erwachsene bleiben bei einer Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 häufig asymptomatisch, sie haben aber die gleiche Virusmenge in den Abstrichen wie symptomatische Patienten“, berichtet das Deutsche Ärzteblatt von den Studienergebnissen des Forschungsteams aus Südkorea. Die Studie brachte zudem überraschende neue Erkenntnisse über die Inkubationszeit beziehungsweise den Zeitraum der Infektiösität. Veröffentlicht wurden die Untersuchungsergebnisse in dem Fachmagazin JAMA Internal Medicine.

303 positiv getestet Personen untersucht

Das südkoreanische Forschungsteam vom Soonchunhyang University College of Medicin hat in der Kohortenstudie 303 Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion berücksichtigt, die in einem kommunalen Behandlungszentrum in Südkorea unter Quarantäne standen. Von den Teilnehmenden waren 110 (36,3%) zum Zeitpunkt der Isolation asymptomatisch und 21 von ihnen entwickelten während der Quarantäne Symptome. Anhand von 1.886 Abstrichen aus dem Nasen-Rachenraum der Teilnehmenden untersuchten die Forschenden die Viruslast. Dabei erfolgte der Nachweis mit der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion.

Die Teilnehmenden waren im Schnitt 25 Jahre alt, 201 waren Frauen und 102 Männer. Nur 12 Teilnehmende litten unter Vorerkrankungen – zehn hatten Bluthochdruck, eine Person Krebs und eine Asthma. 193 Teilnehmende zeigten bereits zu Beginn der Quarantäne Symptome, der Rest war zunächst asymptomatisch, 21 von ihnen entwickelten jedoch im Nachgang Symptome.

15 Tage bis zu den ersten Symptomen

Bei diesen „präsymptomatischen Patienten vergingen 15 Tage (Interquartilbereich 13-20 Tage), bis die ersten Symptome auftraten“, berichtet das Deutsche Ärzteblatt von den Studienergebnissen. Das deute darauf hin, dass die Inkubationszeit, die beispielsweise das Robert Koch-Institut mit durchschnittlich fünf bis sechs Tagen und maximal 14 Tagen angebe, zumindest bei jungen Menschen deutlich länger sein könnte, als bisher angenommen.

Viruslast vergleichbar hoch

Aus den veröffentlichten Ergebnissen gehe des Weiteren hervor, dass bei den asymptomatischen Personen die gleiche Viruslast in den Abstrichen vorlag wie bei den symptomatischen Teilnehmenden. Zudem habe in den Sputumuntersuchungen die Viruskonzentration bei den asymptomatischen Teilnehmenden sogar langsamer abgenommen, berichtet das Deutsche Ärzteblatt. Bezogen auf die Viruslast könnte die Infektiösität beider Gruppen demnach ähnlich sein.

Allerdings gehöre Husten zu den häufigsten Symptomen der Erkrankung und dieser erhöhte das Risiko einer Übertragung, so das Ärzteblatt weiter. Durch das Husten könnten die symptomatischen Personen mehr Viren abgeben und deshalb mehr Menschen anstecken.

Viren bleiben lange nachweisbar

Die südkoreanischen Forschenden konnten außerdem nachweisen, dass die Infektion relativ lange andauert. Bei den Teilnehmenden seien nach 14 Tagen erst 29,6 % der präsymptomatischen oder symptomatischen Personen und 33,7 % der asymptomatischen Personen ohne Virusnachweis im Abstrich gewesen und nach 21 Tagen habe der Anteil immer noch bei nur 69,9 % beziehungsweise 75,2 % gelegen, berichtet das Forschungsteam. Insgesamt sprechen die neuen Erkenntnisse dafür, das die Übertragungsdauer und auch das Übertragungsrisiko durch asymptomatische Infizierte bisher deutlich unterschätzt wurden. (fp)

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