Neue Corona-Varianten: Wie gefährlich sind sie?

Die Maßnahmen, die zur Eindämmung des Coronavirus SARS-CoV-2 und die durch den Erreger ausgelöste Krankheit COVID-19 ergriffen wurden, sollen nur langsam gelockert werden. Begründet wird dies vor allem mit den möglichen Risiken durch die Mutationen des Virus. Doch wie gefährlich sind die neuen Varianten wirklich?

Im Laufe der anhaltenden Coronavirus-Pandemie wurden in verschiedenen Ländern neue SARS-CoV-2 Varianten nachgewiesen. Vor allem diejenigen aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien sorgen für große Verunsicherung. Inzwischen sind die Mutationen auch in Deutschland angekommen. Was ist darüber bekannt? Herr Professor Dr. Thomas Schulz, Leiter des Instituts für Virologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und Sprecher des Exzellenzclusters Resist, klärt in einer Mitteilung darüber auf.

Leichter übertragbar und gefährlicher

Laut einer aktuellen Mitteilung des Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum bestätigte eine Genomsequenzierung das Vorkommen der britischen SARS-CoV-2 Variante in Schleswig-Holstein. Zuvor waren auch schon in anderen Bundesländern Mutationen des Coronavirus nachgewiesen worden. Diese stehen in Verdacht, gefährlicher und leichter übertragbar zu sein. Doch ist dem wirklich so?

„Bei der englischen Variante namens B.1.1.7 ist es relativ sicher, dass sie leichter übertragbar ist als die Variante, die wir bisher in Deutschland haben – und zwar um 30 bis 50 Prozent. Das bedeutet, dass im Durchschnitt jeder mit der neuen Variante Infizierte mehr Menschen ansteckt als jemand, der mit dem herkömmlichen Virus infiziert ist. Dadurch steigt das Risiko der schnellen Ausbreitung der B.1.1.7 Variante“, erklärt Prof. Schulz.

Diese, zunächst in Großbritannien entdeckte Variante „ist nicht nur ansteckender als das herkömmliche Virus, es gibt auch erste Daten, die darauf hinweisen, dass sie krankmachender sein könnte, dass also im Durchschnitt mehr Menschen nach einer Infektion versterben“, so der Experte.

Auch die Geschwindigkeit, mit der sich die südafrikanische Variante namens B.1.351 in Südafrika verbreitet, weist laut dem Virologen darauf hin, dass sie leichter übertragbar ist. Über die als brasilianische Variante B.1.1.248 bezeichnete Mutation gibt es bisher nur wenige Daten.

Bislang noch selten in Deutschland

Doch wie oft kommen die neuen Varianten bisher in Deutschland vor, fragt Bettina Bandel, Sprecherin des Exzellenzclusters Resist, einem Team aus 50 Forscherinnen und Forschern, die unter Leitung der MHH in sechs Institutionen mit ihren Arbeitsgruppen an dem Ziel arbeiten, besonders anfällige Menschen wie Neugeborene, Ältere und Immungeschwächte vor Infektionen mit Viren und Bakterien zu schützen – mit besserer Prävention, Diagnose und Therapie.

Prof. Schulz zufolge sind die neuen Varianten hierzulande bisher alle selten: „Kürzlich veröffentlichte Daten schätzen den Anteil der B.1.1.7 Mutante in Deutschland an allen Infektionen auf zirka sechs Prozent. Es gab einige Ausbrüche der englischen Variante, beispielsweise einen in Hannover, der aber vom Gesundheitsamt wieder eingefangen werden konnte. Auch in anderen Städten, zum Beispiel in Berlin, gab es Infektionsherde, die auf die B.1.1.7 Variante zurückgeführt werden konnten“, so der Fachmann.

Auch die südafrikanische Variante hat vereinzelte Infektionen verursacht und die brasilianische Variante ist ebenfalls schon in Deutschland nachgewiesen worden. Es gehe nun auch darum, einen besseren Überblick über die Ausbreitung dieser und anderer, möglicherweise in der Zukunft auftretender, Mutanten zu gewinnen.

Schützen die Impfstoffe auch gegen die Mutationen?

Und wie sieht es mit dem Schutz durch Impfstoffe gegen diese Virus-Varianten aus? „Mehrere Varianten können einem Teil der Antikörperantwort entkommen, die unser Körper nach einer Impfung oder nach einer überstandenen Infektion aufgebaut hat. Es besteht die Möglichkeit, dass das in Bezug auf die Impfungen zu einem Problem wird“, sagt Prof. Schulz.

Er verweist darauf, dass es bereits erste Hinweise darauf gibt, dass kürzlich neu entwickelte Impfstoffe beispielsweise nicht so gut gegen die B.1.351 Variante schützen wie gegen herkömmliche Varianten.

Die neuen Impfstoffe dürften jedoch nach gegenwärtigem Kenntnisstand immer noch zumindest einen partiellen Schutz gegen die genannten Varianten vermitteln und schwere Erkrankungen verhindern. Möglicherweise wird bei den erwähnten Varianten eine zusätzliche Auffrischungsimpfung notwendig werden.

„Wir müssen uns auch darauf einstellen, gegebenenfalls Impfstoffe modifizieren zu müssen. Wir werden dies besser einschätzen können, sobald in den nächsten Monaten mehr Erfahrungen mit den jetzt bereits zugelassenen und in den nächsten Monaten noch zuzulassenden Impfstoffen vorliegt“, so der Experte. (ad)

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