Die Universitätsmedizin Magdeburg führt aktuell eine groß angelegte Studie zur Verbreitung des Coronavirus und zur Entwicklung des Immunstatus der Bevölkerung im Großraum der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts durch. Nun liegen die ersten Erkenntnisse aus der SeMaCo-Studie vor.

Die Universitätsmedizin Magdeburg arbeitet derzeit an 15 Forschungsprojekten zu COVID-19. Für das Projekt mit dem Titel „Serologische Untersuchungen bei Blutspendern des Großraums Magdeburg auf Antikörper gegen SARS-CoV-2“ (SeMaCo-Studie) haben sich drei unterschiedliche Disziplinen zusammengetan. Das Team um die Professoren Achim Kaasch, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene (IMMB), Hans-Gert Heuft, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie mit der Blutbank (ITIB) und Christian Apfelbacher, Direktor des Instituts für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISMG) möchte den SARS-CoV-2-Immunstatus der Bevölkerung im Raum Magdeburg in vier Phasen erheben und damit die Fortschritte bei der Immunitätsentwicklung nachverfolgen. Die vorläufigen Ergebnisse der ersten Studienphase wurden vor wenigen Tagen präsentiert.

13 Prozent hatten Antikörper gegen SARS-CoV-2

In einem dreimonatigen Erhebungszeitraum wurden vom 20. Januar 2021 bis zum 30. April 2021 bei insgesamt 2.138 Blutspender:innen Proben entnommen und auf Antikörper gegen  SARS-CoV-2 untersucht. Das Feld der Spender:innen setzte sich etwa zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen aus allen Altersgruppen zusammen. Damit bieten die Teilnehmer:innen aus der Sicht der Forschenden insgesamt eine gute Orientierung. Die erste Bilanz: Bei etwa 13 Prozent der untersuchten Personen wurden Antikörper gegen das Virus nachgewiesen. 1.895 Studienteilnehmer:innen hatten angegeben, noch keine Impfung dagegen bekommen zu haben. Dennoch hatten auch rund 6 Prozent der Ungeimpften Antikörper gegen das neuartige Coronavirus, ein Zeichen für eine durchgemachte Infektion und für die Wissenschaftler:innen eine wichtige Erkenntnis zur Dunkelziffer für den Raum Magdeburg. 

Wahrscheinlich jede zweite Infektion nicht erfasst

Laut Robert Koch-Institut (RKI) meldete Magdeburg Ende April dieses Jahres 6.141 SARS-CoV-2-Infektionen. Kaasch leitet aus den Studienergebnissen den Schluss ab, dass zu diesem Zeitpunkt sehr wahrscheinlich fast genauso viele Fälle nicht erfasst worden waren. Darüber hinaus hebt der Mikrobiologe hervor, dass man von einer breiten Immunität in der Bevölkerung offenbar noch weit entfernt sei. „Das bedeutet, dass das Virus nach wie vor viele Möglichkeiten hat, sich weiter auszubreiten“, fügt Kaasch an und hält aus diesem Grund konsequentes Testen und das Einhalten der AHA-Regeln auch mit Blick auf den Herbst weiterhin für notwendig.  
Der medizinische Soziologe Apfelbacher hat mit seinem Team unter anderem die Daten der begleitenden Fragebögen auswertet und festgestellt, dass die Impfbereitschaft der Studienteilnehmer:innen im Raum Magdeburg mit über 70 Prozent sehr hoch ist. „Dieses Ergebnis macht Mut und ist mitentscheidend für die weitere Entwicklung der Pandemie“, kommentiert Apfelbacher den erfreulichen Befund. 

Noch drei Studienphasen bis Oktober 2022

Im weiteren Verlauf der Studie will das Forschungsteam nun näher ergründen, wie lange die Immunität durch eine Impfung oder nach einer durchgemachten SARS-CoV-2 Infektion tatsächlich anhält und wie sich der Immunstatus der Bevölkerung weiterentwickelt. „Im Unterschied zu anderen Studien untersuchen wir unsere Blutspenderinnen und Blutspender in vier Studienphasen über einen sehr langen Zeitraum von insgesamt 21 Monaten“, erklärt der Hämatologe Heuft. „In jeder Studienphase wird ein Antikörpertest durchgeführt, so dass wir den Verlauf der Antikörperspiegel sowohl bei den Genesenen als auch den Geimpften bestimmen können.“ Die Studienphasen zwei bis vier laufen von Juli bis Oktober 2021, Januar bis April 2022 und Juli bis Oktober 2022.  

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