Bluthochdruck durch Stretching senken

Bluthochdruck (Hypertonie) ist ein führender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronische Nierenerkrankungen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben belegt, dass eine zunehmende körperliche Aktivität den Blutdruck senken kann. Eine neue Studie hat nun gezeigt, dass auch Dehnübungen gegen Bluthochdruck helfen können.

Millionen Menschen weltweit haben einen zu hohen Blutdruck. Fachleuten zufolge hat sich Ausdauersport als besonders hilfreich für Menschen mit Hypertonie erwiesen. Betroffenen wird hier häufig zu zügigem Gehen, Wandern oder Nordic Walking geraten. Doch Stretching ist noch effektiver gegen Bluthochdruck, wie eine neue Studie nun gezeigt hat.

Vermeidbarer Risikofaktor

Wie es in einer Mitteilung der kanadischen University of Saskatchewan (USask) heißt, sind zügiges Gehen beziehungsweise Wandern oder Nordic Walking seit langem wichtige Empfehlungen von Ärztinnen und Ärzten, die versuchen, ihren Patientinnen und Patienten zu helfen, ihren Blutdruck zu senken.

Hoher Blutdruck (Hypertonie) ist ein führender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und gehört zu den am häufigsten vermeidbaren Risikofaktoren, die die Gesamtmortalität beeinflussen.

Eine neue Studie von Forschenden der USask hat nun ergeben, dass Dehnen dem zügigen Gehen überlegen ist, um den Blutdruck bei Menschen mit Hypertonie zu senken.

Dieser neue Befund, der in der Fachzeitschrift „Journal of Physical Activity and Health“ veröffentlicht wurde, zeigt, dass Stretching Teil eines umfassenden Behandlungsplans für Menschen sein sollte, die mit Bluthochdruck zu kämpfen haben.

Steifigkeit der Arterien verringern

„Jeder glaubt, dass es beim Dehnen nur darum geht, die Muskeln zu dehnen“, sagte Dr. Phil Chilibeck von der USask. „Aber wenn Sie Ihre Muskeln dehnen, dehnen Sie auch alle Blutgefäße, die in den Muskel münden, einschließlich aller Arterien“, so der Studienautor.

„Wenn Sie die Steifigkeit in Ihren Arterien verringern, ist der Widerstand gegen den Blutfluss geringer“, sagte er und bemerkte, dass der Widerstand gegen den Blutfluss den Blutdruck erhöht.

Schon frühere Studien haben gezeigt, dass Stretching den Blutdruck senken kann, doch die USask-Forschung ist die erste, die die Auswirkungen von zügigem Gehen und Stretching in derselben Gruppe von Studienteilnehmenden verglichen hat.

Stärkere Blutdrucksenkung durch Dehnen

Chilibeck und Kolleginnen und Kollegen teilten 40 ältere Männer und Frauen (Durchschnittsalter 61 Jahre) für den achtwöchigen Studienzeitraum zufällig zwei Gruppen zu.

Die eine Gruppe führte fünf Tage die Woche jeweils 30 Minuten lang eine Ganzkörper-Dehnungsroutine durch, und die andere Gruppe ging in diesem Zeitraum zügig. Alle Teilnehmenden hatten zu Beginn der Studie einen erhöhten Blutdruck oder eine Grad-1-Hypertonie.

Vor und nach der Studie wurde der Blutdruck der Probandinnen und Probanden im Sitzen und Liegen sowie über 24 Stunden mit einem tragbaren Monitor gemessen. Dehnung führte bei allen drei Messarten zu einer stärkeren Blutdrucksenkung. Die Wanderinnen und Wanderer verloren jedoch in der achtwöchigen Studie mehr Körperfett um ihre Taille.

Mit körperlichem Training weitermachen

Menschen, die gehen, um ihren Bluthochdruck zu senken, sollten dies weiterhin tun, aber laut Chilibeck auch einige Dehnungsübungen hinzufügen.

„Ich möchte nicht, dass Menschen aufgrund unserer Forschung denken, sie sollten kein aerobes Training ausüben. Aktivitäten wie Wandern, Radfahren oder Langlaufen wirken sich positiv auf Körperfett, Cholesterinspiegel und Blutzucker aus.“

Während das Studienprotokoll die Teilnehmenden jeweils 30 Minuten lang dehnen ließ, vermutet Chilibeck, dass die gleichen Vorteile auch durch eine kürzere Routine erzielt werden können, bei der die größeren Muskelgruppen in den Beinen, insbesondere der Quadrizeps und die hinteren Oberschenkelmuskeln, betont werden. Yoga führt zu ähnlichen Blutdrucksenkungen, so der Experte.

Einfach in den Alltag zu integrieren

Das Schöne am Dehnen ist laut Chilibeck, dass es so einfach ist, es in den Alltag eines Menschen zu integrieren. Man ist nicht dem Wetter ausgeliefert und es schont die Gelenke – ein großes Plus für Menschen mit Arthrose.

Und es erfordert keinen großen Zeitaufwand, ein weiterer Punkt, der viele Menschen daran hindert, ihre blutdrucksenkenden Maßnahmen auszuführen.

„Wenn Sie sich abends entspannen, können Sie sich, statt nur auf der Couch zu sitzen, auf den Boden setzen und sich strecken, während Sie fernsehen“, sagte er. (ad)

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