DieDigitalisierung ist ein Zeitenwandel. Sie führt zu neuen Prozessen,Erwartungshaltungen und Geschäftsmodellen. Dies war eine Kernaussage beimZwischenahner Dialog. Was das für die Arzneimittelversorgung bedeuten kann,wurde besonders anhand der Rezeptbestellungen durch das E-Health-Unternehmen „vitabook“deutlich.

DerZwischenahner Dialog ist ein Diskussionsforum des LandesapothekerverbandesNiedersachsen mit Gesprächspartnern aus allen Bereichen des Gesundheitswesens.Er fand am Donnerstag und Freitag zum 15. Mal statt. In seiner Begrüßungbetonte der Verbandsvorsitzende Berend Groeneveld, die Apotheker seien sodigital aufgestellt wie kaum ein anderer Beruf. Doch bei der Digitalisierungmüssten die Würde des Kranken und die sozialen Grundwerte geachtet werden. Einerein marktwirtschaftliche Vorgehensweise sei schlecht für die Schwachen und„den digitalen Patienten wird es nicht geben“, erklärte Groeneveld. Darum seidie App des Deutschen Apothekerverbandes für das E-Rezept diskriminierungsfreifür alle nutzbar. Außerdem müsse sich jede Digitalisierungsmaßnahme daranmessen, was damit zu erreichen sei. „Die Digitalisierung ist gut, wenn sie zuweniger Irrtum im Ergebnis führt, aber nicht wenn der Weg einfacher wird“,erklärte Groeneveld.

Allesneu: Geschäftsmodelle und Unternehmenskultur

KarstenGlied, Geschäftsführer der Techniklotsen GmbH, Bielefeld, forderte, neueKonzepte müssten einfach und sicher sein und einen inhaltlichen oder finanziellenMehrwert bieten. Doch „Schutzzäune“ hätten keinen Erfolg. Denn er erwarteteinen „Zeitenwandel“ mit neuen Prozessen, neuen Möglichkeiten und einemkomplett veränderten Nutzerverhalten. Glied zeigte sich erstaunt, dass sich diePolitik sogar auf das Geschäftsmodell des Taxi-Dienstleisters Uber einlasse,obwohl dies auf Sozialdumping angelegt sei. Die Apotheken müssten sich für den Wettbewerbmit Amazon rüsten, das zunehmend Interesse für den Gesundheitsmarkt zeige. Glieddeutet die Position des Bundesgesundheitsministeriums so, dass das E-Rezept zur„Killer-Applikation“ werden soll. Gemeint ist, dass die Patienten an dieserStelle eine grundsätzliche Veränderung bemerken. Glied mahnte, klare Ziele fürdie Digitalisierung zu formulieren und neue Angebote aus der Perspektive desKunden zu sehen. Außerdem erwartet er ganz neue Ansätze für Führung, Kultur undArbeit. Zur digitalen Wirtschaft würden Experimente gehören. Dort werde nichtlange nach dem perfekten Weg gesucht, sondern schnell etwas probiert und wiedergeändert.  

FreierWeg durch das Digitale Versorgung-Gesetz

RechtsanwaltDr. Joachim Kasper, Kassel, zeigte sich erfreut über den wenige Tage zuvor veröffentlichtenReferentenentwurf für das „Digitale Versorgung-Gesetz“ (DVG). Damit würden dierechtlichen Hindernisse für viele telemedizinische Angebote ausgeräumt. In denmeisten Berufsordnungen der Ärzte sei das Fernbehandlungsverbot durch eine flexibleEinzelfallentscheidung ersetzt worden. Doch auch das diesbezügliche Werbeverbotin § 9 Heilmittelwerbegesetz und das Abgabeverbot für Arzneimittel nachFernbehandlungen in § 48 Arzneimittelgesetz würden nun aufgehoben.Handlungsbedarf sieht Kasper noch beim Bundesmantelvertrag der Ärzte und beider Arzneimittel-Richtlinie. Die hohe Priorität der Politik für dieDigitalisierung im Gesundheitswesen zeigt sich auch in der Einrichtung einesneuen Referats im niedersächsischen Sozialministerium. Der Leiter diesesReferats, Dr. Christoph Seidel, betonte die großen Chancen, besonders für diesektorübergreifende Versorgung.

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