Diagnose neurodegenerativer Erkrankungen durch Gehmuster

Die Gehmuster von älteren Menschen können auf kognitive Probleme hinweisen und sogar bei der Diagnose von verschiedenen Arten von neurodegenerativen Erkrankungen helfen. So könnte anhand des Gangs möglicherweise auch Alzheimer frühzeitig identifiziert werden.

Die Art und Weise, wie ältere Personen gehen, könnte dazu verwendet werden, um die frühzeitige Diagnose von verschiedenen Arten neurodegenerativer Erkrankungen zu ermöglichen, so das Ergebnis einer Untersuchung unter Beteiligung von Forschenden des Lawson Health Research Institute und der Western University in Kanada. Die Ergebnisse der Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Alzheimer’s & Dementia“ veröffentlicht.

Gehverhalten und die Gehirnfunktion wurden analysiert

Für die Studie wurden das Gehverhalten und die Gehirnfunktionen von 500 teilnehmenden Personen untersucht, welche derzeit in verschiedenen klinischen Studien eingeschrieben sind. Die Forschenden analysierten erstmals, wie mit der Hilfe von unterschiedlichen Mustern des Gangs bei älteren Menschen verschiedene Arten von Demenz genauer diagnostiziert und eventuell sogar die Alzheimer-Krankheit frühzeitig erkannt werden kann.

Motorische Leistung ermöglicht Diagnose

„Wir haben seit langem Hinweise dafür, dass kognitive Probleme wie Gedächtnisschwäche und exekutive Dysfunktion Vorboten einer Demenz sein können. Jetzt sehen wir, dass die motorische Leistung, insbesondere die Art des Gehens, bei der Diagnose verschiedener Arten von neurodegenerativen Erkrankungen helfen kann”, betont der Studienautor Dr. Manuel Montero-Odasso von der Schulich School of Medicine & Dentistry der kanadischen Western University in einer Pressemitteilung.

Dr. Montero-Odasso ist weltweit bekannt für seine Forschungsarbeiten über den Zusammenhang zwischen Mobilität und kognitivem Abbau im Alter. Als Leiter des Mobility, Exercise and Cognition (MEC)-Teams in London leistet er Pionierarbeit bei der Entwicklung neuer diagnostischer Ansätze und Behandlungen zur Vorbeugung und Bekämpfung früher Demenz.

Bei der aktuellen Studie wurden Gangstörungen über das gesamte kognitive Spektrum hinweg verglichen, einschließlich Menschen mit subjektiver kognitiver Beeinträchtigung, Parkinson-Krankheit, leichter kognitiver Beeinträchtigung, Alzheimer-Krankheit, Lewy-Körper-Demenz und Frontotemporaler Demenz sowie kognitiv gesunde Kontrollpersonen, erklärt das Team.

Verbindung Gangvariabilität mit geringeren kognitiven Leistung?

So konnten vier unabhängige Gangmuster identifiziert werden. Diese umfassten Rhythmus, Tempo, Variabilität und die sogenannte posturale Kontrolle (Fähigkeit des menschlichen Körpers, unter dem Einfluss der Schwerkraft eine aufrechte Körperposition aufrecht zu erhalten). Es stellte sich heraus, dass eine hohe Gangvariabilität mit einer geringeren kognitiven Leistung verbunden war, was zu einer Identifizierung von Alzheimer mit 70-prozentiger Genauigkeit beitrug, berichten die Forschenden. Die sogenannte Gangvariabilität umfasst Veränderungen von Schritt-zu-Schritt in der Länge oder Zeit, welche beim Gehen auftreten.

„Dies ist der erste starke Beweis dafür, dass die Gangvariabilität ein wichtiger Marker für Prozesse ist, die in Bereichen des Gehirns ablaufen, die sowohl mit kognitiven Beeinträchtigungen als auch mit der motorischen Kontrolle in Verbindung stehen”, erklärt Studienautor Dr. Frederico Perruccini-Faria der Schulich School of Medicine & Dentistry.

Hohe Gangvariabilität hilft Alzheimer zu identifizieren

„Wir haben gezeigt, dass eine hohe Gangvariabilität als Marker für die kognitiv-kortikale Dysfunktion die Alzheimer-Krankheit im Vergleich zu anderen neurodegenerativen Erkrankungen zuverlässig identifizieren kann”, fügt der Experte hinzu.

Bei einer kognitiv-kortikalen Dysfunktion ist die Fähigkeit von Menschen beeinträchtigt, mehrere Aufgaben gleichzeitig auszuführen. Dies umfasst beispielsweise das Sprechen während des Gehens oder das Schneiden von Gemüse, während man sich mit der Familie unterhält, erläutern die Fachleute.

Gangbeurteilung als klinischer Test?

Die Gangvariabilität als motorischen Marker für kognitiven Verfall und verschiedene Arten von Beschwerdebildern zu etablieren, könnte es ermöglichen, die Gangbeurteilung als klinischen Test zu verwenden, beispielsweise indem tragbare Technologie den Gang erfassen, erläutert das Forschungsteam. Die Gangvariabilität ließe sich dann ähnlich wie zum Beispiel Herzrhythmusstörungen in Kliniken messen werden und zur medizinischen Beurteilung hinzuziehen, fügt Dr. Montero-Odasso hinzu. (as)

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