Die dunkle Jahreszeit kann einem schon mal das Gemüt beschweren.

Beim aktuellen zweiten „Lockdown Light“ scheint keine Rede mehr von positiver Entschleunigung und Rückbezug zu sich selbst zu sein.

Das Risiko, sich allein zu fühlen und schwermütig zu werden, ist mit dem Winter vor der Tür womöglich noch größer als zu Beginn der Corona-Pandemie.

Eine neue Civey-Umfrage im Auftrag von FIT FOR FUN ging der Frage nach, ob dieser Lockdown als schlimmer wahrgenommen werde als der erste im Frühling. In einem Zeitraum vom 12. bis 17. November 2020 wurden hierzu 5.031 Menschen befragt. 
 

Corona: Belastung eher schlimmer als im Frühling

32,6 Prozent der Befragten gaben an, sie würden die Einschränkungen jetzt im Herbst als stärkere Belastung empfinden als noch im Frühling. Nur knapp 26 Prozent empfinden das Gegenteil. Die Mehrheit jedoch nimmt sie als genauso stark wahr.
 

Je nach Altersgruppe variieren die Aussagen. Die 40- bis 49-Jährigen beispielsweise empfinden die Belastung mehrheitlich als stärker als im ersten Lockdown.  

Genau umgekehrt sieht es allerdings bei den 30- bis 39-Jährigen aus. Unter ihnen finden 37,1 Prozent, der zweite Lockdown sei leichter zu ertragen als der erste (gegen 32,7 Prozent, die ihn schwerer zu ertragen finden). Diese Altersgruppe weicht somit leicht von der Tendenz der Mehrheit ab. 

Für die Generation 65plus wiederum gibt die überwiegende Mehrheit – nämlich über 50 Prozent der Befragten – an, die beiden Lockdowns wären in etwa gleich belastend.
 

 

Frauen leiden stärker unter dem zweiten Lockdown

Unter den befragten Frauen finden die meisten den zweiten Lockdown im Vergleich zum ersten in etwa gleich schlimm oder schlimmer, während die Antwortmöglichkeit ‚weniger schlimm‘ recht weit abgeschlagen ist.

Die Mehrheit der Männer hingegen empfindet die Belastung als in etwa gleich stark.

Dies bestätigen auch Ergebnisse einer von Yougov im Auftrag des Lebensversicherers Swiss Life durchgeführten Umfrage. Hier gaben 84 Prozent der Frauen an, sich gestresst zu fühlen, aber nur 76 Prozent der Männer.
 

Stress als gravierende Nebenwirkung der Pandemie

Insgesamt fand das Meinungsforschungsinstitut Yougov  heraus, dass vier Fünftel der deutschen Bevölkerung in den vergangenen Monaten unter Stress litten.

Gründe hierfür sind vor allem die Arbeit, so die Befragten. Aber auch der fehlende Ausgleich im Privaten, – beispielsweise durch abgesagte Urlaube – sorge für Stress.

Leere Arztpraxen im ersten Shutdown zeigten zudem, dass viele Menschen Arztbesuche verschoben, um sich vor einer Infektion zu schützen.

Psychologen raten zu mehr Selbstfürsorge

Sich weniger um sich selbst zu kümmern, sei jedoch genau der falsche Weg, mahnt die Psychologin Jana Volkert vom Institut für Psychologie der Universität Kassel.

Sie sieht in dem neuen Lockdown gegenüber dem ersten jedoch den Vorteil, dass die Situation zumindest zum Teil bekannt sei. Im Frühling noch sei „eine große Anpassungsleistung von Nöten“ gewesen.

Man solle nun nicht erneut den Fehler machen, von einer schnellen Rückkehr zur Normalität auszugehen. Stattdessen gelte es, sich auf die Situation einzustellen und vor allem „[a]lles, was einem gut tut, […] jetzt voran[zu]stellen“.
 

Psychisch Erkrankte sind im Lockdown gefährdet

Besonders für Menschen mit Depressionen stellt auch der neue Lockdown wieder eine ernstzunehmende Gefahr dar. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe gibt an, dass es sich bei den depressiv Erkrankten um fünf Millionen Menschen in Deutschland handele. 

„Für Menschen mit einer Depression wird der Rückzug in die eigenen vier Wände durch diesen zweiten Teil-Lockdown wieder viele negative Auswirkungen haben“, prognostizierte Psychiater Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung.

Es steht zu befürchten, dass die dunkle Jahreszeit und die Möglichkeit eines Weihnachtsfestes und Jahreswechsels in Isolation das Risiko für psychisch Erkrankte in diesem zweiten Lockdown noch erhöht. 

Eine weitere Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab diesbezüglich schon Anfang November, dass 52 Prozent bereits fürchteten, die Festtage aufgrund der Coronakrise getrennt von ihren Liebsten verbringen zu müssen.

Quelle

  • Civey-Umfrage (2020): Belastung während des 2. „Lockdowns“, abgerufen am 18.11.2020 https://app.civey.com/pro/dashboards/3778/belastung-wahrend-des-2-lockdowns

Kimberly Papenthin

*Der Beitrag „Exklusive Umfrage: So stark belastet der zweite Lockdown die Deutschen“ wird veröffentlicht von FitForFun. Kontakt zum Verantwortlichen hier.

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