Es gibt sie noch, die guten Nachrichten: Die Menschen in Deutschland ernähren sich in vielen Bereichen besser als noch vor vier Jahren. Tomaten, Hülsenfrüchte und Erbsen kommen hierzulande häufiger auf den Tisch, ebenso Beerenobst. Und wir trinken mehr ungezuckerte Getränke wie Mineralwasser und Kräuter- oder Früchtetee. Zugleich ist der Konsum von Schweinefleisch, Joghurt und Milch gesunken, gleiches gilt für Säfte, Nektare, Schaumwein, Spirituosen und Bier. Das ist das Ergebnis des 14. Ernährungsberichtes der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), der am Dienstag veröffentlicht wurde.

»Der Anstieg beim Verbrauch von Erfrischungsgetränken ist gestoppt und zeigt nur noch eine schwache positive Tendenz«, heißt es in dem Bericht, der alle vier Jahre erscheint und dabei hilft, die Ernährungssituation der Bevölkerung in Deutschland langfristig zu betrachten. Der Gesamtalkoholverbrauch sei weiterhin gesunken, das gilt vor allem für Bier: Pro Kopf und Jahr ging er um 900 Milliliter zurück.

Pflanzen zu essen ist besser fürs Klima

Der positive Trend beim Gemüse zeichnet sich dem Bericht zufolge bereits seit Jahren ab. »Eine pflanzenbetonte Ernährung ist nicht nur gesundheitsfördernd, sondern auch klimafreundlich«, sagte Helmut Heseker, Ernährungswissenschaftler an der Universität Paderborn und Chefredakteur des Ernährungsberichtes. Allerdings gibt es auch noch deutlich Luft nach oben, das darf man bei den guten Nachrichten nicht verschweigen. Denn der Verzehr von frischen Kartoffeln etwa, von Getreideprodukten und von Obst ist deutlich zurückgegangen. »Im Durchschnitt essen die Menschen 20 Kilogramm Äpfel pro Kopf und Jahr«, sagte Kurt Gedrich vom Institute for Food & Health an der TU München. »Vor zehn Jahren waren es noch 1,5 Kilogramm mehr.«

Auch der Fleischverbrauch insgesamt ist mit 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr immer noch sehr hoch. Zudem haben die Menschen in den vergangenen vier Jahren mehr Rind-, Kalbs- und Geflügelfleisch gegessen, auch der Konsum von Käse hat zugenommen. Diese Nahrungsmittel haben allerdings einen hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren und sollten laut den Empfehlungen der DGE nur in kleinen Mengen verzehrt werden.




Auch Übergewicht bleibt ein Problem, das schon früh im Leben beginnt: Den Analysen zufolge waren 40 Prozent aller Schwangeren im Jahr 2017 übergewichtig, Tendenz steigend. Eine normalgewichtige Frau sollte in den neun Monaten nicht mehr als 16 Kilogramm zunehmen. Denn Übergewicht hat auch Folgen für das Kind: »Eine zu hohe Gewichtszunahme in der Schwangerschaft erhöht auch das Risiko des Kindes für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck und das Metabolische Syndrom«, sagt Heseker.

Die Zahl der übergewichtigen Kinder steigt immerhin nicht mehr, bleibt aber auf hohem Niveau: Bei den 3- bis 17-Jährigen waren 15 Prozent der Kinder zwischen 2014 und 2017 zu dick. Bei erwachsenen Männern ist Übergewicht mittlerweile eher der Normalzustand: 59,4 Prozent der 18- bis 65-Jährigen bringen zu viel Gewicht auf die Waage. Bei den gleichaltrigen Frauen sind es 37,3 Prozent.

Kein Nachteil für vegan ernährte Kinder 

Wie sich eine vegetarische oder vegane Ernährung auf Kinder in Deutschland auswirkt, ist bislang nur wenig untersucht. Ute Alexy von der Universität Bonn und Markus Keller vom Institut für alternative und nachhaltige Ernährung (Ifane) haben daher in einer Querschnittstudie 401 Kinder im Alter zwischen sechs und 18 Jahren befragt, von denen sich 114 vegan, 150 vegetarisch und 137 mit Misch-Kost (omnivor) ernährten. Mit Unterstützung der Eltern machten sie drei Tage lang Angaben zu ihrem Verzehr von Lebensmitteln und wogen sich. Zudem mussten sie sich einmal in einem von drei Studienzentren messen und wiegen lassen sowie Blut und Urin abgeben.

Diese Messungen erlaubten den Forschern der »VeChi-Youth«-Studie einen objektiven Blick auf die Daten und einen Einblick in die Versorgung der Kinder und Jugendlichen mit wichtigen Nährstoffen. Allerdings waren die Teilnehmer und Teilnehmerinnen nicht repräsentativ für alle Kinder in Deutschland. So waren nur insgesamt 16 übergewichtig, was einem Anteil von 0,34 Prozent entspricht.

Das Ergebnis: In allen drei Gruppen war die Versorgung mit den Hauptnährstoffen sowie mit Vitaminen und Mineralstoffen ausreichend. Besonders bei veganer Ernährung kann die Gefahr bestehen, dass Kinder zu wenig Proteine, Calcium oder Vitamin B12 zu sich nehmen – Nährstoffe, die viel in tierischen Lebensmitteln vorkommen. Bei sehr genauer Kenntnis der Inhaltsstoffe aber können diese weitgehend über andere Lebensmittel ersetzt werden. So zeigte die Befragung, dass sich die vegan ernährenden Kinder und Jugendlichen sehr ballaststoffreich ernährten: »Sie aßen drei- bis siebenmal so viele Hülsenfrüchte und sieben- bis zehnmal so viele Nüsse wie die omnivoren Kinder«, sagt Markus Keller. Gesättigte Fettsäuren und Zucker hingegen nahmen sie seltener als die anderen beiden Gruppen zu sich.




Insgesamt waren mehr vegan ernährte Kinder gut mit Vitamin B12 versorgt als Kinder, die sich vegetarisch oder omnivor ernährten. Der Grund: Sie nahmen das Vitamin, das wichtig für die Nervenfunktion, Blutbildung und Zellteilung ist, als Supplement ein.

In allen drei Gruppen zeigte sich, dass zu wenige der Heranwachsenden ausreichend mit Jod versorgt waren: Bei den Veganerinnen und Veganern waren es nur 57 Prozent, bei den vegetarisch ernährten Kindern 62 Prozent und bei den Kindern mit Mischkost-Ernährung 75 Prozent. Das lebenswichtige Spurenelement kommt in Fisch, Eiern und Milchprodukten, aber auch in jodiertem Speisesalz vor und ist für die Nervenzellen und die Schilddrüse essenziell.

Auch beim Calcium besteht der DGE zufolge Handlungsbedarf, weil nur 46 Prozent der vegan ernährten Kinder den empfohlenen Referenzwert erreichen und 67 Prozent der omnivor ernährten Kinder (56 Prozent der Vegetarierinnen und Vegetarier).

»Bei allen drei Ernährungsformen erwiesen sich Vitamin B2, Vitamin D, Jod und Calcium als kritische Nährstoffe«, heißt es in dem Bericht. Vitamin D, das nur zu 10 bis 20 Prozent aus der Nahrung aufgenommen und ansonsten bei Sonneneinstrahlung in der Haut hergestellt wird, ist bei vielen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu niedrig. »Wenn Kinder, die wenig oder keine Milch trinken, im Winter einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben«, rät die Ernährungswissenschaftlerlin Alexy, »dann sollte man darüber nachdenken, zu supplementieren.«

Einer weiteren Untersuchung des DGE-Präsidenten Jakob Linseisen zufolge, kann ein ausreichend hoher Vitamin-D-Spiegel sogar vor akuten Atemwegskrankheiten wie Erkältungen schützen. Bei einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung könnte demnach Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel einen positiven Einfluss auf die Prävention von akuten Atemwegsinfektionen haben. »Ob Vitamin D einen Einfluss auf das Risiko einer Corona-Infektion oder den Verlauf hat, können wir anhand der Daten nicht sagen«, sagt Linseisen.

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