Sozial Benachteiligte oder arme Menschen werden kreativ, wenn es um die Versorgung mit Arzneimitteln geht. Ist das Geld knapp, werden auch Arzneimittel manchmal rationiert – damit sie länger reichen, die Zuzahlung verschoben wird oder das Antibiotikum für eine weitere Infektion genutzt werden kann. Ist das mit ein Grund, warum ärmere Menschen früher sterben? Armut führt zu Krankheit und Krankheit zu Armut – die derzeitig in Dortmund stattfindende Fachtagung Sozialpharmazie gewährt einen Blick über den „gewöhnlichen“ Tellerrand der Pharmazie.

ÄrmereMenschen sterben früher als reichere – das sind harte Worte, die Fakten beruhenallerdings mittlerweile auf zahlreichen Studien. Erst im März dieses Jahreszeigte das Health Monitoring Journal des Robert Koch-Institutes, dasswohlhabende Frauen die höchste Lebenserwartung haben. Lothar H. Wieler,Präsident des Robert Koch-Institutes, erklärte damals: „SozialeUngleichheit hat wegen der massiven Auswirkungen auf Gesundheit undLebenserwartung aus Sicht von Public Health eine zentrale Bedeutung.“

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Weiblich und reich lebt am längsten

Etwas anders, doch sinngemäß ähnlich, formuliert es Professor Dr. Nico Dragano, Medizinsoziologe und Epidemiologe von der Uniklinik Düsseldorf, bei der Fachtagung Sozialpharmazie am Dienstag in Dortmund: „Mit jedem Euro mehr, leben die Menschen länger“. Der Unterschied in der Lebenserwartung bezogen auf den sozialen Hintergrund ist offenbar, nicht nur im internationalen Vergleich, auch innerhalb Deutschlands. Laut Dragano leben Menschen in der reichsten Kommune Deutschlands zehn Jahre länger als in der ärmsten, je geringer die soziale Schicht der Menschen, desto größer ist auch ihr Krankheitsrisiko.

Myokardinfarkt, Schlaganfall, Lebererkrankung erhöhen Mortalität

Deutlich erhöht sei vor allem das Risiko für Myokardinfarkt, Schlaganfall, und chronische Lebererkrankungen, doch folge die „Inzidenz, Prävalenz und Sterblichkeit der allermeisten Krankheiten einem sozialen Gradienten“, so Dragano. Warum ist das so? Die Gründe hierfür finden sich in Unterschieden in der gesundheitlichen Belastung (physischen oder psychischen Belastung am Arbeitsplatz), den Bewältigungsressourcen und Erholungsmöglichkeiten (Wohnqualität, Wohnungen an feinstaubbelasteten, vielbefahrenen Straßen sind meist günstiger als in urbanen Grünregionen) und Unterschieden im gesundheitlichen Verhalten (den Zugang zu gesunder Ernährung, Rauchen) und in der gesundheitlichen Versorgung (Arzt-Patienten-Kontakt, Zahnersatz). Auch psychosoziale Belastungen wie Schulden oder fehlender sozialer Teilhabe gelten als Stressfaktoren und fördern nicht gerade die Gesundheit. Besonders gefährdet seien Menschen in prekären Lagen, bei denen mehrere Risikofaktoren – Arbeitslosigkeit und Armut, schlechte Bildung – kumulierten.

Das wirkt sich auch auf die Arzneimittelversorgung aus: Wie ist die „Ärztedichte“, wie das Verordnungsverhalten, lösen die Patienten ihre Rezepte ein?

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