2018 war ein Rekordjahr für Zecken – 2019 könnte schlimmer werden

Im Jahr 2018 wurde die höchste Anzahl an Zecken gesichtet, die jemals in Deutschland dokumentiert wurde – ein Rekordjahr für Zecken. Experten prognostizieren, dass dieser Rekord in diesem Jahr schon wieder gebrochen werden könnte. Neben der auffällig hohen Zahl an Jungtieren (Nymphen) ist auch die Verbreitung neuer Zeckenarten besorgniserregend. Experten haben sich auf dem MSD Parasitologenkongress in Wien über diese Problematik ausgetauscht.

Die Risiken für die Gesundheit von Mensch und Tier durch Zecken wird im Jahr 2019 weiter ansteigen, warnen Zecken-Experten, die sich auf dem MSD Parasitologenkongress in Wien zusammengefunden haben. 23 führende Wissenschaftler sowie Veterinär- und Humanmediziner aus Deutschland, Österreich und der Schweiz tauschten sich auf dem Kongress zu dem aktuellen Aufkeimen der Zeckenpopulation aus.

Zecken auf dem Vormarsch

Bereits im Frühjahr 2018 sagte Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München das Rekordhoch auf Grundlage seiner längjährigen Erhebungen voraus. Auf dem Kongress wurde dies nun bestätigt. Die Experten berichten von einem besorgniserregenden Anstieg. In den vergangenen neun Jahren lebten etwa 260 Zecken auf einer Fläche von 100 Quadratmetern. Im Jahr 2018 wurde eine Zeckenanzahl von 400 Stück pro 100 Quadratmetern gemessen.

Neue Zeckenarten breiten sich aus

„Wir beobachten die Ausbreitung neuer Zeckenarten, wie der Auwaldzecke, die etwa 50 Kilometer pro Jahr Richtung Westen wandert und bereits Hannover erreicht hat“, berichtete Dr. Gerhard Dobler auf dem MSD Parasitologenkongress. Daneben sei auch der kontinuierliche Anstieg der gesamten Zeckenpopulation besorgniserregend. Die Zecken gelten als Überträger gefährlicher Infektionskrankheiten wie des Krim Kongo Virus, Heartland Virus, Neoehrlichia oder Anaplasma.

Höhere und längere Infektionsgefahren

„Es gibt mehr und neue Zecken, die in milden Jahren früher aktiv werden und länger aktiv bleiben und immer gefährlichere Krankheiten übertragen“, warnt der Zecken-Fachmann. Mit dem Rekordhoch der Zeckenpopulation sei gleichzeitig auch eine neue Höchstzahl an Frühsommer-Meningoenzephalitis-Fällen aufgetreten. Das Bewusstsein über diese neue Bedrohung sei in der Bevölkerung noch nicht genug ausgeprägt, betonen die Experten.

Trügerische Sicherheit

Im Sommer stellten viele Hunde- und Katzenbesitzer einen Rückgang der Zeckenbisse bei ihren Haustieren fest. „Das heißt aber nicht, dass die Zecken nicht da oder nicht aktiv waren“, ergänzt Dr. Daniel Sicher, Geschäftsführer bei MSD Tiergesundheit. Zecken würden sich bei Hitze und Trockenheit nur vorübergehend in den Wald zurückziehen. Daneben seien im Jahr 2018 auch ungewöhnlich viele Zecken-Nymphen gesichtet worden. Diese Jungtiere seien für den Laien wesentlich schwerer wahrzunehmen, als ausgewachsene Zecken.

Warum steigt die Anzahl der Zecken immer weiter an?

Bei den Gründen für diesen rasanten Anstieg waren alle Experten einer Meinung. Die massive Ausbreitung werde durch den Klimawandel, den internationalen Verkehr, den internationalen Tierhandel und durch Änderungen in der Landschaft und Landwirtschaft begünstigt. (vb)

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