Wer unter Kopfschmerzen leidet, der möchte sie vor allem möglichst schnell wieder loswerden. Doch nicht jedes Mittel hilft gegen jedes Kopfweh. Allerdings: Es gibt auch viele Hausmittel, die gegen Kopfschmerzen helfen. Wichtig für die Selbstbehandlung ist deshalb zu wissen, unter welcher Art von Kopfschmerzen man leidet: Während oftmals schon ein Spaziergang Wunder wirkt, ist bei Migräne Ruhe angesagt.

Am häufigsten sind Spannungskopfschmerzen. Dabei handelt es sich um beidseitiges, dumpf-drückendes Kopfweh, das sich leicht bis mittelstark anfühlt. Weitere Begleitsymptome treten dabei nicht auf. „Solche Kopfschmerzen kennen viele Menschen“, sagt Privatdozent Dr. Charly Gaul, Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft.

Spannungskopfschmerzen vs. Migräne

Weil der Schmerz bei Spannungskopfschmerzen nicht so intensiv ist und sich gut mit freiverkäuflichen Medikamenten behandeln lässt, gehen die meisten Menschen damit nicht zum Arzt. Anders sieht das bei einer Migräne aus. „Dies ist der Kopfschmerz, der Betroffene am häufigsten zu einer ärztlichen Behandlung führt“, sagt Gaul. Unter Migräne leiden in Deutschland rund acht Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen.

Der intensive Kopfschmerz tritt dabei fast immer halbseitig auf. Häufig beginnt er aus dem Nacken heraus oder hinter einem Auge und strahlt dann über die Schädelhälfte aus. Der Schmerz verstärkt sich mit der Zeit und pocht oder pulsiert. „Typische Begleitsymptome sind Lichtempfindlichkeit, Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und manchmal auch Erbrechen“, sagt der Experte. Die Attacken dauern zwischen einem halben Tag bis zu drei Tagen.

Hausmittel bei Spannungskopfschmerzen

Eine heftige Art von Kopfschmerz ist außerdem der sogenannte Clusterkopfschmerz. Er tritt meistens mitten in der Nacht auf. Die Attacken dauern nicht so lange wie bei einer Migräne, nämlich etwa 30 bis 180 Minuten. Begleitet wird der Kopfschmerz, der nahezu immer auf derselben Seite auftritt, von tränenden Augen, einer laufenden Nase und einer starken Unruhe. Der stärkste Schmerzpunkt sitzt dabei meist hinter dem Auge.

Wenn der Kopfschmerz nur mäßig ist und sich bei Bewegung nicht verstärkt, leidet man wahrscheinlich unter Spannungskopfschmerzen. Bei diesem Kopfschmerztyp sind Hausmittel besonders wirksam. „Spaziergänge und Bewegung an der frischen Luft helfen in vielen Fällen“, sagt der Experte. Die meisten Betroffenen spüren auch eine Erleichterung, wenn sie Pfefferminzöl auf beide Schläfen und den Nacken auftragen. Bei Spannungskopfschmerzen kann auch Wärme sehr hilfreich sein, um die Muskulatur zu entspannen, beispielsweise durch ein Kirschkernkissen oder Rotlicht. (Lesen Sie auch: Frozen Shoulder: Das hilft bei Schmerzen in der Schulter)

Schmerzmittel an maximal zehn Tagen pro Monat einnehmen

Reicht das als Behandlung nicht aus, kann man auch zu einem freiverkäuflichen Schmerzmittel greifen. Gaul rät dabei zu Paracetamol, Ibuprofen oder zu einem Kombinationspräparat aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein. „Schmerzmittel sollte man nur dann einnehmen, wenn der Kopfschmerz stärker ist“, sagt er.

Wichtig ist außerdem, dass man Schmerzmittel nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat verwenden sollte. Spannungskopfschmerzen können allerdings auch chronisch werden. Das ist der Fall, wenn sie an mehr als 15 Tagen pro Monat auftreten. „Dann ist eine vorbeugende Behandlung wichtiger, als eine akute Schmerzbehandlung“, sagt Gaul.

Bei Migräne helfen die meisten Hausmittel nur sehr bedingt

Bei einem Migräneanfall hingegen sind die Kopfschmerzen häufig so stark, dass man mit Hausmitteln nicht mehr weit kommt. Spürt man, dass sich eine Attacke anbahnt, dann ist es günstig, sich Ruhe zu gönnen. Manchmal kann man einen Anfall damit noch abwenden. Auch bei einer Attacke selbst hilft es, sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurückzuziehen und sich hinzulegen. „Bewährt hat sich außerdem das Kühlen mit einem Eisbeutel“, sagt Gaul.

Bei einer Attacke kommen die Betroffenen allerdings oft nicht um ein Schmerzmittel herum. „Dies sollte man dann ausreichend hochdosiert und frühzeitig im Anfall einnehmen“, rät Gaul. Wartet man zu lange ab oder nimmt eine zu geringe Dosis ein, führt das ansonsten oft nur dazu, dass man mehrfach etwas einnehmen muss und dass die Wirksamkeit nicht ausreichend stark ist. Auch bei Clusterkopfschmerzen kommt man mit Hausmitteln in der Regel nicht weiter, sondern sollte sich in eine ärztliche Behandlung begeben. (Auch interessant: Schlafmediziner verrät: Was wirklich beim Einschlafen hilft)

Kopfschmerzen effektiv vorbeugen

Idealerweise treten Kopfschmerzen erst gar nicht auf. Mit einigen Methoden und Verhaltensweisen kann man dazu beitragen, einer Kopfschmerzattacke vorzubeugen, ganz gleich, ob es sich um Migräne oder Spannungskopfschmerzen handelt. An erster Stelle stehen dabei Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobson und Autogenes Training. „Sie sind in Studien gut wirksam und haben sich im Alltag bewährt“, sagt Gaul. Beherrscht man die Übungen erst einmal, reicht es oft schon aus, sie für einige Minuten am Tag durchzuführen.

„Ebenso hilfreich ist körperliche Aktivität“, sagt Gaul. Der Fokus sollte dabei auf Ausdauertraining liegen. Bewährt haben sich besonders Joggen, Nordic Walking und Schwimmen. Wenn man zusätzlich unter Nackenschmerzen leidet, können gezielte Übungen helfen. Diese sollte man sich idealerweise von einem Physiotherapeuten zeigen lassen, um sie danach regelmäßig selbst zu Hause durchzuführen.

Mit Kopfschmerzen zum Arzt

Oft bekommt man Kopfschmerzen also gut selbst in den Griff. In einigen Fällen sollte man allerdings besser zum Arzt gehen. Das gilt immer dann, wenn Kopfschmerzen zum ersten Mal auftreten oder wenn man unter Kopfschmerzen leidet, die man so nicht kennt, auch wenn man sonst häufiger unter Kopfweh leidet. „Unbedingt abklären lassen sollte man Kopfschmerzen, die sehr intensiv sind und mit neurologischen Symptomen einhergehen“, sagt Gaul. Auch wenn man zusätzlich zu den Kopfschmerzen Fieber bekommt, sollte man besser zum Arzt gehen. (Lesen Sie auch: Mindfulness: Im Zusammenspiel von Körper und Geist die beste Performance erreichen)

Dieser Artikel wurde verfasst von (Maria Berentzen)

*Der Beitrag „Experten-Tipps: Das sind die besten Hausmittel gegen Kopfschmerzen“ wird veröffentlicht von GQ. Kontakt zum Verantwortlichen hier.

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